Das Chóngyángjié (重阳节) ist ein Fest, das nach der traditionellen Zeitrechnung auf den 09. 09. fällt. Da der Mondkalender mit unserem zeitgenössischen Kalender jedoch nicht übereinstimmt, fällt dieses Fest in diesem Jahr auf den 9. November. In der chinesischen Numerologie (z.B. im Yijing) ist 9 (3 x 3) die Zahl, die das Höchste und Vollkommenste repräsentiert, den Himmel. Damit verbunden war der Glaube, am 09. 09. durch Besteigen eines möglichst hohen Berges die eigene Lebenszeit erheblich verlängern zu können. (Erzähl das niemand den deutschen Krankenkassen!) Auch wenn heute niemand mehr daran glaubt, ist es ein Brauch, den man beibehalten hat, denn die Bewegung kann ja wirklich nicht schaden. Und dass es ausgerechnet an diesem Tag ist ... Tradition eben. Kein besonderer Grund :-)
Von der Universität aus wurde für die ausländischen Studenten eine Fahrt zum Xiangshan, dem/n Duftberg/en organisiert. In unserer Klasse schienen es nur drei Leute mitbekommen zu haben, die anderen machten an diesem nachmittag den regulären Unterricht und verpassten dadurch einige spektakuläre Ausblicke, auch wenn ich sagen muss, dass der Wirbel, den die Chinesen um diesen Berg machen, schon ein bisschen übertrieben ist.
Von der Universität aus wurde für die ausländischen Studenten eine Fahrt zum Xiangshan, dem/n Duftberg/en organisiert. In unserer Klasse schienen es nur drei Leute mitbekommen zu haben, die anderen machten an diesem nachmittag den regulären Unterricht und verpassten dadurch einige spektakuläre Ausblicke, auch wenn ich sagen muss, dass der Wirbel, den die Chinesen um diesen Berg machen, schon ein bisschen übertrieben ist.

In unserem PCR Lehrbuch hatten wir einen Lektionstext, in dem Gubo und Palanka auf den Xiangshan wollen. Es ist Herbst, und Li Laoshi sagt ihnen, dass nun die Zeit dafür am besten sei, da alle Blätter rot seien und der Berg jetzt ja so schön wäre. Diesen Satz habe ich in den letzten Tagen ziemlich oft gehört; irgendwie scheinen sich da aber auch wirklich alle komplett einig zu sein, es ist schon fast unheimlich.
Um es direkt zu sagen: Ja, der Berg ist schön und sicher auch außerhalb der besten Herbstzeit einen Besuch wert. Aber der Troubel, der um die roten Blätter gemacht wird, ist deutlich übertrieben. Zumindest als wir da waren, war die vorherrschende Farbe grün, obwohl es schon einige Bäume gab, die rote Blätter hatten. Diese Bäume stehen jedoch meist auf dem Gipfel oder in schwer erreichbarer Höhe, da die chinesischen Touristen sie sich gerne als Souvenier mitnehmen und die Bäume am weg dementsprechend "geplündert" sind. (Der erste der Eindrücke im Park war eine Chinesin, die eine Tasche in einen Baum warf, u ein paar Blätter herunterrieseln zu lassen.)
Die meisten roten Blätter findet man allerdings vor dem Berg: Bevor man überhaupt in den (natürlich nicht kostenlosen) Bergpark gelangt, muss man eine lange Straße voller Geschäfte passieren. Die überwiegende Anzahl dieser Geschäfte machen Souvenierläden aus, und das meistangebotene Souvenier sind gepresste rote Blätter in Plastikfolien. - Wenn es einen soweit auffälligen Charakterzug gibt, dann ist es meiner Meinung nach die Geschäftstüchtigkeit der Chinesen. Hier wird alles versucht zu Geld zu machen, und nach meiner bisherigen Erfahrung ist China das in dieser Beziehung kapitalistischste Land, das ich kenne.






Das schöne an diesem Park ist, dass, auch wenn die Leute am Eingang wie immer sehr zahlreich sind, sich das ganze durch die Größe nach einer Weile verläuft. Wählt man einen der alten, kleinen Wege (die im übrigen nicht sehr sicher und besonders im Winter nicht gut zu benutzen sind, da unmittelbar neben dem Weg oft ein sehr tiefer Abhang liegt und es keine Geländer gibt) erreicht man nach einer kleinen Weile vielleicht sogar einen Punkt, an dem man nahezu allein ist, was in China ja sehr selten der Fall ist. In solchen Momenten kann man mit einem solchen Ausblick erahnen, was es für eine Stimmung war, in der die alten Dichter und Maler ihre Kunstwerke schufen, in denen die Natur so überwälrigend ist und der Mensch nur einen Punkt in der Landschaft ausmacht.









Ich habe die Beschwerde bekommen, auf meinen Bildern selbst zu wenig drauf zu sein. Um das zu ändern, kommen hier gleich ein paar wunderbare Bilder, featuring me and myself:

Während wir in den Bergen herumwanderten, fand ich einen Wurzelstock, der wegen seiner verschnörkelten Form bei allen Fantasy- und Rollenspielfrans so beliebt war, dass sie in Folge alle mit ihm posieren wollten. Hier also: Bild 1: Der Stock! (rechts im Bild: mein muskulöser Unterarm)

Bild 2: Der Stock mit mir! (Ich bin der rechts im Bild.)

Bild 3: "I am Gandalf the Gray!" (eher the Blue hier) (grimmig)

Sicherheit (安全, Anquán) wird in China bekanntlich großgeschrieben, und selbst die verwinkeltesten Ecken auf dem Berg kommen nicht ohne Kameras aus, um die Wanderer zu überw... zu beschützen. - Wir wollen glauben, dass es der Bergsicherheit dient und im Falle, dass jemand den Abhang auf Grund des fehlenden Geländers oder der brüchigen Wege hinabstürtzt, sofort eine chinesische Bergrettungsmannschaft auf den Weg geschickt werden kann.
An diesem Teich lassen sich Brautleute oft fotografieren. Als wir da waren, saß da sogar eine Braut in ihrem weißen Kleid (und fror), während sie fotografiert wurde. Die Reiher in der Mitte des Teiches sind übrigens Atrappen. Außer den Elstern, die man auch ab und zu in der Stadt sehen kann, haben wir nur noch ein paar dieser grauen Eichhörnchen beobachten können. Es gibt wirklich nicht viele Tiere in und um Beijing (den Zoo und die Restaurants ausgenommen).
Matthias auf den Stufen ...
Ist der Baum jetzt durch die Mauer gewachsen, oder hat man sie um ihn herumgebaut? - Die buddhistische Antwort lautet übrigens: Es gibt weder Mauer noch Baum, sie sind verkannte Aspekte deines nichtexistierenden Selbst.




Na also, es geht doch: Eine Stele in manjurischer, mongolischer, chinesischer und sanskritischer Schrift, errichtet von Qianlong. Etwas verwittert zwar bereits, aber noch erkennbar. An dieser Stelle befand sich ein Tempel, der wie so vieles - und die erklärenden Tafeln werden niemals müde, dies zu erwähnen - von den Engländern und Franzosen zerstört wurde. - Auch wenn man ein bisschen suchen muss, findet man doch noch einige Zeugnisse in manjurischer Sprache. Nur spricht das in ganz China offenbar niemand mehr. Sehr merkwürdig.



Auch wenn wir nicht an dem geplanten Bergsteigewettkampf zum Gipfel teilgenommen haben, sondern einfach nur so umhergeschlendert sind, war es eine interessante Tour, und ich werde sie sicher noch einmal machen, auch um mal nach ganz oben zu kommen. Der Besuch war eine kleine Auflockerung im ansonsten gerade nur vom Lernen für die für nächste Woche anstehenden drei Prüfungen bestimmten Alltag. - Und genau daran werde ich mich jetzt auch wieder machen. Ein schönes Wochenende Euch allen (allen neun)!






1 Kommentar:
Was ist los in good old China? Weihnachtsstress? Kein Jingle Bells oder andere Kuriositäten die Du uns mitteilen möchstest? So lesefauls ist Rudi nun auch nicht ;)!
Grüße aus Berlin
Anne
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