Samstag, Oktober 28, 2006

Lebenszeichen

Okay, ich gebs zu: Etwas schreibfaul geworden bin ich. Andererseits lässt mir das Lernpensum kaum Freiräume. Andere Themen habe ich im Moment auch nicht, so dass der nächste Beitrag sicher von den Schwierigkeiten beim Chinesischlernen handeln wird. Ein kleiner neuer Stein auf dem Weg: Hatte Andrej noch vor ein paar Tagen gepostet, dass die Wikipedia nun auch von China aus zugänglich sei, wird die Möglichkeit, das als Zeichen einer Entspannung in Sachen Netzzensur zu deuten, nun z.B. dadurch zunichte gemacht, dass einige andere Sachen geblockt werden - wie z.B. blogger.com, der Host u.a. meines grandiosen Blogs. Wie es scheint, hat das große chinesische Anstandsministerium, dass uns hier ja auch vor so verwerflichen Seiten wie Freenet.de bewahrt und z.B. Emailkontakt mit Leuten, die von dieser Adresse aus schreiben, rigoros unterbindet, eine weitere Gefahr entdeckt, vor der wir jetzt dankenswerter Weise beschützt werden. Das letzte Mal war dies 2005, als in einem der 100.000 Blogs Adressen zu Anonymizern gepostet wurden, mit denen man ungefiltert gebloggte Seiten hätte lesen können. Geblockt wurden in Folge alle Blogger-Seiten, wie es auch jetzt wieder Fall zu sein scheint. Bis jetzt kann man nur raten kann, wie lange das bleiben wird und ob es überhaupt rückgängig gemacht werden soll. Das Bloggen selbst macht es zumindest komplizierter - Uploads funktionieren nicht richtig, Vorschauseiten können nicht angezeigt werden, der gerade geschriebene Text löscht sich merkwürdigerweise, und das Blog selbst lässt sich nur über Anonymizer aufrufen - dann aber nicht editieren! The Big Red Brother (Nein, nein - nicht Hellboy - der andere ...) is watching you eben überall. - Es ist schon ein Kreuz!

Samstag, Oktober 07, 2006

Sun Yatsen Park

Der Sun Yatsen, bzw. Sun Zhongshan Park liegt direkt neben der Verbotenen Stadt. Er wurde im Laufe der Zeit mehrere Male umgestaltet und unterschiedlichen Zwecken gewidmet, vom Opferaltar für Erd- und Erntegottheiten bis zum Gedenkplatz für den geistigen Vater des modernen Chinas. Ein relativ kleiner, nett gestalteter Park, und nicht so überlaufen wie das Palastmuseum über die Mauer.








Ich war mit Ulf, Steffi und Cora da, und erneut stürzten sich alle Chinesen auf die Kleine. Schon irgendwie seltsam, und obwohl sie die Aufmerksamkeit mag, wird ihr das nach einer Weile auch zuviel. An solchen Beispielen werden aber Mentalitätsunterschiede deutlich: Würde bei uns so ein Aufstand um ein chinesisches Kind geprobt? -- Doch höchstens, um die Debatte des kinderlosen Deutschlands anzuleiern.



Wangfujing Food Market


Wangfujing ist eine berühmte Einkaufsstraße in Beijing. Hier gibt es unter anderem ein Kaufhaus für Kindersachen, Modegeschäfte, ein relativ günstiges Musikaliengeschäft, den Foreign Language Bookstore und das berühmte Baihuodalou-Warenhaus.

Berühmt sein dürfte auch die Wangfujing Xiaochijie - die Imbissmarktstraße - vor allem bei Westlern wegen der hier angebotenen, bisweilen recht grotesken "Snacks". Neben Dönern recht ähnlichen Speisen gibt es hier sehr süße Spezialitäten, an denen die Wespen nur so kleben (wortwörtlich, wenn auch nicht beabsichtigt).

Ich weiß nicht, wer diese Sachen wirklich ist und wie man sie überhaupt essen kann. Die Seepferdchen sehen sehr trocken aus, und die Skorpione werden lebendig auf die Stäbchen gespießt und zappeln noch, während sie dort auf ihre Käufer warten. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie ich etwas essen sollte, dass versucht, mich dabei in die Zunge zu stechen. Ich habe aber auch niemanden gesehen, der dies essen oder kaufen würde. Kevin hatte mal spekuliert, dass dies nur für die Westler sei, die diese Sachen besonders spektakulär fänden. Aber an manchen Ständen wird nichts anderes verkauft, so dass ich vermute, irgend jemand muss das schon kaufen.

Diese Käfer oder Raupen habe ich bereits auf dm Xi'aner Nachtmarkt gesehen. Keine Ahnung, wie man das ist oder wie es schmeckt. Sieht schon cross aus, aber Essen mit Augen, Krabbelbeinen oder nichts von alledem ist mir generell etwas suspekt.

Drittes Leckerli: Tintenfische (oder Arme) am Stil! Für Sachen wie dies kommen Westler (wie ich) hier her: es ist diese Art von Exotismus, die man erwarten würde, in Beijing aber kaum findet, da es schon eine sehr westliche Stadt ist.

Ich denke, wenn ich das so sehe, ich sollte bald mal etwas über das Essen in Beijing allgemein schreiben.

Freitag, Oktober 06, 2006

Das Mittherbstfest: Zhongqiujie

Das Mittherbstfest oder auch Vollmondfest findet am Abend des 6. Oktobers bei Vollmond statt. Eigentlich liegt die Symbolik im Vollmond, der die wiedervereinigte Familie symbolisieren soll. Dazu isst man dann Yuebing, Mondkuchen, Teigkuchen mit verschiedenen Füllungen, die von Bohnenmehl und Fruchtfüllungen über Schokolade bis hin zu salzigem Ei reichen können. Normalerweise kann man auf dem Kuchen selbst eingebacken lesen, woraus die Füllung besteht, aber das klappt nicht immer. Ich war mit meiner Sprachpartnerin im Jialefu und wir haben uns dort jeder zwei Mondkuchen geholt, die irgendwie in arabischer Schrift beschrieben waren. Nicht alle sind sehr lecker (und die aus der Mensa sollte man besser lassen, wo sie sind). Abends sitzt man normalerweise beisammen und bestaunt den Mond (und darf sich angeblich etwas dabei wünschen), aber die gute Beijinger Luft hat es gestern unmöglich gemacht, irgendeinen Mond zu sehen. Oder Sterne. Oder die Häuser auf der anderen Straßenseite. Für Chinesen sicher ein besondereres Fest als für uns.









Mittwoch, Oktober 04, 2006

Yiheyuan - Der neue Sommerpalast

Zusammen mit Ulf, Steffi und ihrer Tochter Cora, die gestern zwei Jahre geworden ist, waren wir heute im neuen Sommerpalast. Jeder Tourist wird wohl einmal hier her gebracht, und auch für die Chinesen ist es ein beliebtes Ausflugsziel. Gerade während der Ferien war der Park nahezu überlaufen, doch nach einer Weile verteilt sich das alles etwas, und es wird etwas ruhiger und übersichtlicher. Das Wetter hat auch mitgespielt: Blauer Himmel, was in Beijing sehr selten ist, es war schön warm und überhaupt ein sehr angenehmer Spätsommertag. Ein paar Eindrücke:





Das berühmte Marmorboot, das sich Kaiserinwitwe und Regentin Cixi selbst zum Geschenk machte (wie auch den Park), statt in eine Armee gegen die Westmächte zu investieren. Zumindest ihr hatte diese Strategie noch einen ruhigen Lebensabend beschehrt.



Eine Schildkröte auf einem Lotosblatt. Die selben gibts hier übrigens im Kaufhaus zumin die Suppe tunken. Grausam, ich weiß ... Sich auf Lotosblättern sonnend sind sie mir auch lieber.



Der lange Wandelgang mit Landschaftsbildern und Szenen aus den berühmten vier chinesischen Romanen. Die alte Version des Kinos ...



Die Brücken haben einen speziellen Stil. Auf der Löwenkopfbrücke haben die Brückenpfeiler individuelle Verzierungen in Form von Löwenköpfen, aber der Name klingt spektakulärer als die Realität.



Interessant auch die sehr hohe Bauform der Brücken: Vielleicht waren die Boote früher höher? Oder es ist eine bautechnische Frage gewesen.





Ulfs und Steffis Tochter ist wirklich sehr niedlich. Aber die Chinesen übertreiben es total. Kaum steht man irgendwo, bildet sich sofort eine riesige Traube von Menschen, die sich mit dem kleinen blonden Kind fotografieren lassen will. Natürlich ist sie niedlich, und irgendwo ist es amüsant. Aber nach einer weile wird es lästig. Ich dachte schon, man könne ihr vielleicht ein Schild umhängen "Lass dich mit mir fotografieren für 100 Kuai" oder so. Manchmal kommen aber auch kleine chinesische Kinder, und dann ist es wieder ganz lustig. Hier kam ein chinesischer Junge im selben Alter, und die beiden sind dann hand in Hand durch die Gegend gelaufen und posierten, verfolgt von zahllosen Erwachsenen mit Kameras. Leider standen sie für meine Kamera nicht ruhig genug. Anyways: Hen ke ai!







Eigentlich sind das keine Seerosen, sondern Lotos. Es gibt einige so bewachsene Teiche hier, aber wird sind wohl etwas zu spät gekommen, um sie blühen zu sehen. Alles hat seine beste Zeit hier: In den Xiangshan-Park soll man gegen Ende Oktober gehen, weil dann die roten Blätter das Optimum an Ästhetik darstellen.









Und noch eine Szene, für die es sich wirklich gelohnt hat: Sonnenuntergang über dem See. Das Licht, das Wetter, die Landschaft und Perspektiven ... alles war ideal, und die Fotos sind wirklich sehr schön geworden.















Dienstag, Oktober 03, 2006

Beijing Zoo Teil 2: Das Aquarium

Das Aquarium befindet sich wie im Westberliner Zoo innerhalb des Tierparks, und man muss einen zusätzlichen Eintritt von 100 Kuai bezahlen, was ich - besonders für chinesische Verhältnisse - schon ziemlich viel finde. (Es sei denn, man hat mich wieder übers Ohr gehauen.) Wie auch immer - es ist durchaus sehenswert, erinnert in vielen Punkten ans Seaworld, auch wenn es hier noch etwas größere Fische gibt. Ich habe probiert, verschiedene Tiere zu fotografieren, aber meine Kamera hat Probleme mit Aufnahmen im Dunkeln, insbesondere, wenn die Fische immer in Bewegung sind. Deshalb gibt es nur ein paar wenige Bilder.

Das Aquarium ist in mehrere Bereiche unterteilt: Regenwaldfische, Riffbecken, Meeressäuger usw., durch die man der Reihe nach laufen oder von einer Verzweigung in der Mitte aus direkt erreichen kann. Dies hier ist ein großer Steinkopf, der die Regenwaldabteilung schmückt.

Viele interessante Zierfische, deren Namen ich leider nicht kenne (alles Goldfische, irgendwie :-). Leider sehr schwer zu fotografieren: Mit Blitzlicht reflextiert man selbst in der Scheibe, oder es ist zu dunkel und stillhalte würden die kleinen Leckerlis wohl nur auf einem Teller.











Apropos: Auch wenn das eben wie ein Witz geklungen hat, sind die Chinesen in dieser Beziehung wirklich erfindungsreich. In der Mitte des Komplexes, wo alle Wege auch zusammenlaufen, gibt es tatsächlich Fischspezialitäten am Stand oder im Restaurant. In Folge des Bratens zieht ein starker Geruch von frittiertem Fisch durch das gesamte Aquarium, den man unaufhörlich in der Nase hat. Fisch ist sicher lecker, Fische betrachten ist interessant, aber Fische betrachten und dabei andauernd den Bratfischgeruch in der Nase haben ist irgendwie pervers. Das Verständnis und die Betrachtungsweise von Tieren differiert hier schon etwas von der bei uns.

Das Riffbecken: Das Spektakulärste war hier wohl, als eine mutige Frau im Taucheranzug ins Becken stieg und die Fische aus der Hand fütterte. Die Rochen waren recht zahm (wir haben ja alle von dem tragischen Unfall dieses manischen Australiers gehört), aber diese schwimmenden Riesenschildkröten sind gefährlicher, als man es zuerst vielleicht glaubt. Wenn man weiß, wie kärftig bereits Mathias' Kröte zuschnappen kann, kann man sich vielleicht ausmahlen, was eine über einen Meter lange Schildkröte so anrichten könnte. Eine von denen hier war jedenfalls sehr mobil und offenbar hungrig: Andauernd schwamm sie auf die Taucherin zu und versuchte, nach ihr zu schnappen. dass die nichts für sie hatte, störte sie nicht. Schildkröten schnappen eben einfach gerne. Die Frau konnte sich immer nur dadurch retten, dass sie die Kröte mit einem kräftigen Druck in den Nacken unter sich drückte und dadurch ein paar Sekunden gewann, bis diese gewendet und zum neuen Angriff ansetzte. Zum Schluss bekam sie auch noch etwas Leckeres für Schildkröten, und die Zuschauermassen lösten sich auf.


Das Meeresbecken: Die Fische hier sind wirklich enorm. Im Meer zu schwimmen und so einem zu begegnen ... gruselige Vorstellung!






Die Seelöwen und Delfine haben eine eigene Show bei den Meeressäugern. Normalerweise ist man bei uns ja immer gegen diese Dressurakte; andererseits denke ich, dass es den Tieren, wenn sie schon in Gefangenschaft gehalten werden, ein bisschen was zu tun und ein wenig Ablenkung bietet. Von der Darbietung, die während der Goldenen Woche öfter stattfindet, habe ich leider keine Fotos machen können, auch, weil die Biester einfach zu flink waren. Die Seelöwen fingen Ringe auf, die ihnen aus dem Publikum zugeworfen wurden, zeigten verschiedene Lauftechniken (amüsant) und spielten mit einer aus dem Wasser ragenden Schwimmflosse "Hai". Die Delfine zeigten synchronspringen, Zählkünste oder ließen einen Pfleger auf sich "surfen". - Die Käfige allerdings, in denen sie ausserhalb der Auftritte wohnen, sind ziemlich klein. Das Elend in Bildern:

Und weiter geht es. Der Zoo besteht nur zum Teil aus den Tieren. Geld verdienen lässt sich auch hier gut, sei es mit Essens-, Souvenierverkauf oder anderen Unterhaltungsangeboten wie dieser Hüpfburg.