Donnerstag, August 31, 2006

Beiwai: Campustour

Der zweite Tag an der Beiwai. Die Bauarbeiten hören auch in der Nacht nicht auf, statt Bohrer und Presslufthammer kommt nachts die kleinen Hämmer und das Nietenschussgerät zum Einsatz, und eigentlich hört es sich an, als befände sich unter meinem Fenster ein Gotcha-Parcours. Hinzu kommt, dass abends noch zahllose Leute durchs Haus rennen und irgendwelche Sachen ab- und aufladen oder einfach umschmeißen. Kommunikationskanal ist das Treppenhaus: Möchte eine Frau von unten wissen, wo sich ihre Kollegen gerade aufhalten, brüllt sie es einfach hoch. Manchmal kommen Antworten, meist aber irgendwelche Kommandos, wo was hinzustellen ist. Eigentlich brüllt ständig jemand, aber man hört es nicht, denn wenn jemand auf dieser Seite seine Klimaanlage anwirft, übertönt das Rauschen die Arbeitsgeräusche. Die Fenster zu schließen wäre im Sommer ziemlich ungesund; dass sie im Winter dann einigermaßen dicht sind, hoffe ich zwar, aber ich bin, wenn ich mir Berichte anderer anhöre, da wohl zu optimistisch.

Irgendwann so gegen eins, zwei in der Nacht ist dann Ruhe - was bedeutet, dass man sich von der monotonen Regelmäßigkeit des Hupens vorbeifahrenden Autos sanft in den Schlaf schubsen lassen kann. Die Matratzen hier sind übrigens wirklich ziemlich stabil, denn man kann sich darauf stellen oder hopsen, sie geben kein bisschen nach! Sollte ich mal ein Haus bauen, werde ich auf jeden Fall welche für das Fundament benutzen. - Um halb sieben beginnen die Presslufthämmer wieder ihre Arbeit, was die Entscheidung, aufzustehen und vielleicht hinaus zu gehen, schon etwas erleichtert. Zeit für eine kleine Campustour!

Der Campus der Beiwai wird durch den dritten Ring in zwei Bereiche geteilt: den Ost- und den Westcampus. Die meisten deutschen Selbstzahlerstudenten scheinen auf dem Ostcampus untergebracht zu sein, was sicher daran liegt, dass man im Guojia Building mehr kassieren kann als im Bailou auf dem Westcampus, wo Vollstipendiaten wie ich untergebracht sind. Es gibt eine Wäscherei, kleine Läden, je eine Mensa, verschiedene Sportplätze für Tennis, Basketball oder Fußball und sogar eine Universitätsklinik (die ich hoffentlich nicht aufsuchen muss). Die Parkanlagen auf dem Ostcampus sind größer und schöner als die bei uns auf der Westseite, insgesamt aber ist das gesamte Gelände der Beiwai ausgesprochen grün.



Die Deutschfakultät liegt auf meinem Campus direkt neben dem Eingang und von mir nur einen Steinwurf entfernt. Verglichen mit anderen Fakultäten sieht sie aber ziemlich unspektakulär aus. Ich habe mich mit der Lektorin schon in Verbindung gesetzt und werde mal versuchen, ein paar Studenten, die hier Deutsch lernen, als Sprachpartner zu finden.



Auf jedem Campus gibt es einen kleinen Park, in den man sich setzen, relaxen oder etwas lesen kann. Bänke mit Tischen sind allerdings selten und stehen oft nicht im Schatten, sondern mitten in der Sonne. Allerdings ist es draußen angenehmer als drinnen, und die chinesischen Studenten haben manchmal Acht- oder sogar Zwölfbettzimmer, so dass sie außer zum Schlafen ohnehin immer an andere Orte gehen müssen.





Als hauptsächlich auf Fremdsprachen fokussierte Universität hat die Beiwai auch verschiedene Insitute, die manchmal ganz interessant aussehen, wie z.B. das Institut für arabische Sprache und Islamwissenschaft. Viel Spaß beim Übersetzen!







Alles in allem bin ich eigentlich schon ziemlich zufrieden mit dieser Universität, auch wenn ich das genau sicher erst sagen kann, wenn der Unterricht am 11. September begonnen hat. Die Anlangen hier sagen mir jedenfalls schon zu. Ich hoffe, Euch anderen gefällt es an Euren Unis ebenso.

Mittwoch, August 30, 2006

Angekommen

Andrej hatte es geschafft, noch eine der heiß umkämpften Karten für den Zug nach Liaoning zu bekommen und fuhr deswegen schon gestern abend los, wir anderen machten uns heute früh auf den Weg. Die Beiwai ist vom Jinma-Hotel eigentlich nicht weit entfernt, wenn man nach der Karte geht, aber man ist trotz des rasanten Fahrstils mit dem Taxi immer noch gut 15 - 20 Minuten unterwegs. Beijing ist einfach riesengroß.

Einmal an der Beiwai angekommen, wurden wir (ich fuhr mit einem anderen CSC-Stipendiaten) erst einmal vom West- zum Ost- und dann wieder zurück zum Westcampus geschickt. Grund für das Durcheinander waren die unterschiedlichen Programme: Die Selbstzahler und die Studenten vom Sprache- und Praxisprogramm wohnen im Guojiao Building auf dem Ostcampus (in dem vermutlich auch der Unterricht stattfinden wird), wir CSC-Stipendiaten dagegen im Bailou auf dem Westcampus. Die Zimmer im Guojiao haben schon Hotelcharakter, dafür müssen die armen Studies dort drüben umgerechnet 7,50 Euro Miete pro Tag zahlen, was schon ziemlich heftig ist, nicht nur für chinesische Verhältnisse.



Die Doppelzimmer im Bailou sind etwa zwölf Quadratmeter groß, es gibt zwei Einbauschränke, zwei Betten und zwei Schreibtische. Verschließbar ist hier nichts, aber der Raum lässt sich nur mit einer bestimmten Karte öffnen. Die Möbel sind alle neu. Sie sind sogar so neu, dass sie zu unserer Ankunft noch gar nicht hier waren und erst im Laufe der Zeit auf dem Flur zusammengebaut und hereingebracht werden. Bin schon gespannt, was noch alles kommt, auch wenn der Krach, das Hämmern und Bohren nach einer Weile schon ziemlich auf die Nerven fällt. Aber bis zum ersten September, wenn die Studenten offiziell hier einziehen dürfen, soll alles wohl fertig sein. Übrigens mussten wir für die zwei Nächte vorher noch bezahlen, 40 Kuai pro Person pro Nacht. Das ist trotz des geringeren Services günstig, verglichen mit dem Jinma Hotel (300 Y) oder dem Guojiao (75 Y).



Die Fenster haben Moskitonetze, die sehr nützlich wären, würden sie funktionieren, wie sie es sollten. Leider fiel mir bei dem einen Netz gleich zu beginn der Griff ab und ließe sich auch nur wieder einbauen, wenn man das ganze Fenster heraus nimmt. Die Magneten, die das Netz unten halten sollen, sind dafür eigentlich zu schwach und lassen es öfters laut nach oben scheppern; am Ende funktionierte es gar nicht mehr. Schließlich ließ es sich doch noch mittels kleiner Plastikschieber fixieren, was ein wirkliches Glück ist, wenn man sieht, was für Viecher in der Dunkelheit dagegen prallen!

Von meinem Fenster aus habe ich einen wunderschönen Blick auf den Innenhof mit einem halbfertiggestellten Dach. Direkt unter meinem Fenster befinden sich die ganzen Klimaanlagen, von denen die warme Luft noch zusätzlich aufsteigt (und wer wissen möchte, was die Vier 四 mit dem Tod 死 zu tun hat, muss mal im Sommer versuchen, hier im vierten Stock auf der Sonnenseite des Hauses den Tag zu verbringen; man geht am besten bis zum Abend raus).



Waschraum, Toilette und Dusche gibt es über den Flur, zumindest in dieser Etage, und sie werden wohl auch täglich gereinigt, auch wenn man sich sehr beeilen muss, um das mitzubekommen. Kurz darauf sieht es nämlich in der Regel schon wieder ziemlich schweinisch aus (manche Studenten scheinen irgendwo gehört zu haben, dass man eine Verstopfung des Abflusses mit Essensresten am besten durch Nachkippen neuer Essensreste beseitigen kann - das ist eine Fehlinformation!!). Von den Toiletten rede ich besser erst gar nicht; eigentlich sind diese Löcher im Boden so groß, dass man da gar nicht vorbeitreffen kann (ich habe Gerüchte über einen Studenten gehört, der hineingefallen und nicht wieder aufgetaucht ist), aber einige schaffen es trotzdem, und zwar jedes! Mal ...



Ansonsten ist die Ausstattung hier eher trist; die Flure sind in wenig dekorativem Grau gehalten und Bilder oder Pflanzen sucht man hier vergebens.

Im dritten Stock gibt es Einzelzimmer, die gegen eine Zusatzgebür von 4.500 Yuan gemietet werden können. Sie sind flächenmäßig etwa mit den Doeppelzimmern vergleichbar, haben einen sehr viel größeren Einbauschrank und eine eigenes Bad mit Toilette und Dusche. Andererseits ist das auch wieder eine ganze Menge Geld, und mit Leuten ein Zimmer zu teilen, die nicht die eigene Sprache sprechen, hat ja auch einen guten Lerneffekt. Die Frage ist letztendlich auch, ob man Gesellschaft oder Privatsphäre vorzieht. Ich denke, ich bleibe auf jeden Fall in meinem Doppelzimmer.

Montag, August 28, 2006

Dashanzi

Auf dem Programm des DAAD stand am heutigen Nachmittag ein Besuch in der Künstlerkolonie Dashanzi. Künstlerkolonie hörte sich zuerst etwas alternativ an, allerdings ließen z.B. die unten dargestellten Exponate nicht unbedingt auf ein Kunstverständnis schließen, das seinen Zweck im Ausdruck des Dissens sieht (dort hätte man uns allerdings auch sicher kaum hingefahren). Unsere Führung war wenig hilfreich, und mir persönlich erschloss sich vieles nicht. Zumindest was die Ästhetik anbelangte, wirkte die Kunst eher wie Propaganda: Menschen mit starrem Blick und in kämpferischen Posen, Fäusten so groß wie Köpfe ...



Den in dieser Statue dargestellten Mann würde man, hätte er nicht den Pinsel, der mindestens fünf Kilo wiegen muss, in der Hand, wohl kaum für einen Künstler halten. Nun ja, Kunst als Klassenkampf ...



Dem politischen Programm scheint auch die Gestaltung der Austellungshallen, ehemaligen Fabrikhallen, zu enstprechen, wenn zwischen all den Bildern immer noch die Werkzeug-, Dreh- und Bohrmaschinen stehen ...



Manche der Bilder wirkten etwas experimentierfreudiger und weniger politisch. Allerdings ist mein Verständnis chinesischer Kunst zu gering, als dass ich wüsste, wie bestimmte Sachen zu verstehen seien oder dass mir schon bestimmte Details auffielen, die Chinesen vielleicht unmittelbar ins Auge springen. Als besonders zu empfehlends Ausflugsziel fiele mir Dashanzi aber sicher nicht zuerst ein.

Sonntag, August 27, 2006

Beijing: Erste Eindrücke

Nachdem wir am Flughafen noch etwas Geld umgetauscht hatten und uns nicht von den hunderten, sofort auf uns einstürmenden Taxivermittlern haben beirren lassen, sind wir am Jinma-Dajiudian-Hotel in der Xueyuanlu angekommen, das, abgesehen von den sehr fleckigen Teppichen, eigentlich ganz gute Zimmer bietet.



Die Taxifahrt ist für jemanden, der es noch nicht probiert hat, übrigens ein echtes Erlebnis, so wie eigentlich der gesamte Verkehr hier. Es gibt zwar Regeln, die jedoch irgendwie nur als Empfehlung verstanden werden. Vorfahrt hat, wer zuerst auf der Kreuzung ist; das wichtigste Teil ist die Hupe (wenn die nicht geht, muss der Wagen wirklich in die Werkstatt).

Der erste Satz, den man in jedem Beijinger Erfahrungsbericht zu lesen bekommt, lautet etwa: "Beijing ist sehr groß und es gibt viel zu sehen, aber die Luftverschmutzung ist furchtbar." Der erste Eindruck scheint genau das zu bestätigen: Über der ganzen Stadt häng eine Dunstglocke, vom Hotelzimmer im 22. Stock, von wo aus man einen guten Überblick über die außergewöhnliche Skyline haben sollte, sieht man kaum ein paar Kilomenter weit, bevor alles irgendwie nur noch schemenhaft im Abgasnebel zu erkennen ist. Die wenigen Grünpflanzen kommen gegen das Grau des Beton nicht an, Wolkenkratzer bis zum Horizont; Wenn es dunkel wird und die Stadtlichter angehen, erinnert das Ganze an eine Syd-Mead-Vision.



Carla, die hier schon einmal an einem längeren Sprachkurs teilgenommen hat, führte uns abends noch in ihr Lieblingsrestaurant; die Bedienung erinnerte sich sogar noch an sie. Wir haben ein paar interessante Sachen probiert, geröstete Erdnüsse in Essig (das schmeckt besser, als es sich vielleicht anhört), gebacken Auberginen in Knoblauch oder Nudeln in Tomatensauce mit ein bisschen chinesischem Gemüse, die, obwohl wir sie extra (辣, "scharf") bestellten, nicht wirklich scharf waren. Anschließend fanden wir auf dem Wudaokou in der Nähe des bahnhofs noch eine Bar, in der man sich tatsächlich verstehen konnte, ohne zu brüllen. Nett, Adresse gemerkt, aber jetzt sind doch alle etwas erschlagen.

Über die Wolken ...

Air China ist die führende internationale Fluggesellschaft der Volksrepublik China und im Vergleich mit anderen Linien sogar ausgesprochen günstig - sicher unser Hauptgrund, mit dieser Linie zu fliegen. Man könnte eine Menge über das Fliegen schreiben, und es beeindruckt mich auch jedesmal erneut, wenn die Turbinen hochlaufen und einen der Schub in die Sitze drückt, und man mehrere Sekunden später schon aus hunderten Metern Höhe auf die Stadt hinab blickt. Statt dessen nur eine kurze Warnung: Man bekommt zwei mal unterwegs etwas zu essen, einmal kurz nach dem Start, dann ein paar Stunden später vor der Landung. Auf Grund der Wartezeit isst man vielleicht vor dem Flug noch zu abend (so wie wir, die wir unsere gesamten Vorräte für zwei mindestens Wochen noch schnell verdrückten, da man Lebensmittel ja nicht durch die Schranke bekommt), bekommt dann kurz darauf erneut etwas vorgesetzt, wird zur besten chinesischen Frühstückszeit (nach unserer Zeit jedoch noch mitten in der Nacht; entsprechend verwirrt ist man auch) erneut geweckt, um zu essen und wird - wenn man in einer Touristengruppe reist - meist direkt nach der Landung in ein Restaurant gekarrt, da es in Beijing dann Mittag ist. Auf letzteres haben wir aber klugerweise verzichtet. Allerdings kann ich mir vorstellen, warum Neuankömmlinge Probleme danach mit dem Magen bekommen könnten.

Während die anderen schliefen, habe ich noch etwas gelesen und bin ein wenig durchs Flugzeug gestreift. Durch ein Fenster am Notausgang konnte ich ein paar interessante Fotos machen. Leider waren die Monitore zu dieser Zeit ausgestellt, so dass ich nicht weiß, wo wir uns in diesem Augenblick befanden und was genau sie zeigen. Der Zeit nach müsste es etwa die Kasachstan/ Russland/ westliche Mongolei sein. Interessantes Relief, dessen Charakter von Mondlandschaft noch dadurch verstärkt wurde, dass es weit und breit keine Siedlung zu geben schien. Wenn man sich überlegt, dass wir heute in knapp zehn Stunden schaffen, wofür die Missionare früher je nach Ziel und Route eine Reise von einem halben bis zu anderthalb Jahren einplanen mussten ...





Samstag, August 26, 2006

Dedicated to friends

Ursprünglich sollte dieses Blog eine Verbindung der Chinastudenten untereinander und eine Brücke zu den Verwandten und Freunden daheim bilden, inhaltlich offen für alles Bemerkenswerte, was wir während unserer Zeit in China so entdecken und erfahren. Nach ein paar Absagen auf Grund Zeitmangels oder bereits bestehender, eigener ähnlicher Seiten starte ich das Ganze jetzt allerdings doch erst einmal als ein Solo-Projekt. Vielleicht bekommt ja noch der eine oder andere im Laufe der Zeit Lust, sich daran zu beteiligen oder ein eigenes Blog zu eröffnen, das ich hier dann auch gerne verlinken werde.

Ich freue mich trotzdem, dass wir es noch geschafft haben, ein gemeinsames Gruppenfoto hinzubekommen, hier vor dem Deutsch-Chinesischen Wissenschaftszentrum, Shuangqinglu 83, im Haidian-Bezirk Pekings:



(v.r.:) Richard (Shandong University), Christian (Beijing Normal University), Katharina (Xiamen University), Birte (am Boden nach einem vernichtenden chinesischen 午餐, wŭ cān - "Mittagessen") (Jiaotong University, Shanghai), Lena (Jiaotong University, Shanhai), Andrej (Liaoning Normal University), Carla (Beijing Film Academy), Andreas (Beijing Foreign Studies University)