Mittwoch, August 30, 2006

Angekommen

Andrej hatte es geschafft, noch eine der heiß umkämpften Karten für den Zug nach Liaoning zu bekommen und fuhr deswegen schon gestern abend los, wir anderen machten uns heute früh auf den Weg. Die Beiwai ist vom Jinma-Hotel eigentlich nicht weit entfernt, wenn man nach der Karte geht, aber man ist trotz des rasanten Fahrstils mit dem Taxi immer noch gut 15 - 20 Minuten unterwegs. Beijing ist einfach riesengroß.

Einmal an der Beiwai angekommen, wurden wir (ich fuhr mit einem anderen CSC-Stipendiaten) erst einmal vom West- zum Ost- und dann wieder zurück zum Westcampus geschickt. Grund für das Durcheinander waren die unterschiedlichen Programme: Die Selbstzahler und die Studenten vom Sprache- und Praxisprogramm wohnen im Guojiao Building auf dem Ostcampus (in dem vermutlich auch der Unterricht stattfinden wird), wir CSC-Stipendiaten dagegen im Bailou auf dem Westcampus. Die Zimmer im Guojiao haben schon Hotelcharakter, dafür müssen die armen Studies dort drüben umgerechnet 7,50 Euro Miete pro Tag zahlen, was schon ziemlich heftig ist, nicht nur für chinesische Verhältnisse.



Die Doppelzimmer im Bailou sind etwa zwölf Quadratmeter groß, es gibt zwei Einbauschränke, zwei Betten und zwei Schreibtische. Verschließbar ist hier nichts, aber der Raum lässt sich nur mit einer bestimmten Karte öffnen. Die Möbel sind alle neu. Sie sind sogar so neu, dass sie zu unserer Ankunft noch gar nicht hier waren und erst im Laufe der Zeit auf dem Flur zusammengebaut und hereingebracht werden. Bin schon gespannt, was noch alles kommt, auch wenn der Krach, das Hämmern und Bohren nach einer Weile schon ziemlich auf die Nerven fällt. Aber bis zum ersten September, wenn die Studenten offiziell hier einziehen dürfen, soll alles wohl fertig sein. Übrigens mussten wir für die zwei Nächte vorher noch bezahlen, 40 Kuai pro Person pro Nacht. Das ist trotz des geringeren Services günstig, verglichen mit dem Jinma Hotel (300 Y) oder dem Guojiao (75 Y).



Die Fenster haben Moskitonetze, die sehr nützlich wären, würden sie funktionieren, wie sie es sollten. Leider fiel mir bei dem einen Netz gleich zu beginn der Griff ab und ließe sich auch nur wieder einbauen, wenn man das ganze Fenster heraus nimmt. Die Magneten, die das Netz unten halten sollen, sind dafür eigentlich zu schwach und lassen es öfters laut nach oben scheppern; am Ende funktionierte es gar nicht mehr. Schließlich ließ es sich doch noch mittels kleiner Plastikschieber fixieren, was ein wirkliches Glück ist, wenn man sieht, was für Viecher in der Dunkelheit dagegen prallen!

Von meinem Fenster aus habe ich einen wunderschönen Blick auf den Innenhof mit einem halbfertiggestellten Dach. Direkt unter meinem Fenster befinden sich die ganzen Klimaanlagen, von denen die warme Luft noch zusätzlich aufsteigt (und wer wissen möchte, was die Vier 四 mit dem Tod 死 zu tun hat, muss mal im Sommer versuchen, hier im vierten Stock auf der Sonnenseite des Hauses den Tag zu verbringen; man geht am besten bis zum Abend raus).



Waschraum, Toilette und Dusche gibt es über den Flur, zumindest in dieser Etage, und sie werden wohl auch täglich gereinigt, auch wenn man sich sehr beeilen muss, um das mitzubekommen. Kurz darauf sieht es nämlich in der Regel schon wieder ziemlich schweinisch aus (manche Studenten scheinen irgendwo gehört zu haben, dass man eine Verstopfung des Abflusses mit Essensresten am besten durch Nachkippen neuer Essensreste beseitigen kann - das ist eine Fehlinformation!!). Von den Toiletten rede ich besser erst gar nicht; eigentlich sind diese Löcher im Boden so groß, dass man da gar nicht vorbeitreffen kann (ich habe Gerüchte über einen Studenten gehört, der hineingefallen und nicht wieder aufgetaucht ist), aber einige schaffen es trotzdem, und zwar jedes! Mal ...



Ansonsten ist die Ausstattung hier eher trist; die Flure sind in wenig dekorativem Grau gehalten und Bilder oder Pflanzen sucht man hier vergebens.

Im dritten Stock gibt es Einzelzimmer, die gegen eine Zusatzgebür von 4.500 Yuan gemietet werden können. Sie sind flächenmäßig etwa mit den Doeppelzimmern vergleichbar, haben einen sehr viel größeren Einbauschrank und eine eigenes Bad mit Toilette und Dusche. Andererseits ist das auch wieder eine ganze Menge Geld, und mit Leuten ein Zimmer zu teilen, die nicht die eigene Sprache sprechen, hat ja auch einen guten Lerneffekt. Die Frage ist letztendlich auch, ob man Gesellschaft oder Privatsphäre vorzieht. Ich denke, ich bleibe auf jeden Fall in meinem Doppelzimmer.

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