Freitag, September 29, 2006

China und die Raubkopien - Nachtrag

Mittlerweile habe ich zwei Filme auf DVD gesehen - "Das Monsterhaus" und "Cars", beides Animationsfilme, die durchaus ganz unterhaltsam sind. Sie waren zwar nicht in chinesisch, aber ab und zu muss auch mal etwas anderes zur Entspannung sein. Dabei habe ich allerdings entdeckt, dass mein Plan, durch Filme eine andere Sprache zu lernen hier definitiv nicht in die andere Richtung funktioniert. Ich möchte durch das hören der Dialoge und das zeitgleiche Lesen der Untertitel ja ein bisschen das Hörverständnis verbessern. Möchte das ein Chinese mit seinem Englisch machen, könnte er mit seiner so gewonnenen Spracherfahrung bei seiner Einreise in die Staaten einige Probleme bekommen. Denn was die englischen Untertitel anbelangt, sind sie vom Original schon ziemlich weit entfernt. Ein Beispiel? Bitte sehr, die Anfangsszene aus "Das Monsterhaus":

(Der alte Mann verscheucht das Mädchen und macht ihr das Dreirad kaputt.)
Stay away from my house!
(Untertitel: What's up? - He's got hostages -- kids.)
(Szenenwechsel: DJ's Haus, die Eltern packen
Vater: We're gonna be late.
(Untertitel: Life's a bitch sometimes. Come on.)

DJ (am Fernglas, wo er den alten Mann beobachtete): Hold on dad, I'm coming.
(Untertitel: Hold on. - We got two minutes.)

DJ: (macht einen Eintrag ins Tagebuch) Another tricycle ...
(Untertitel: Okay. You get the kids. - We'll make some noise. - You're a son of a bitch, you know that?)

DJ: Mom, he's doing it again. He took another tricycle ...
(Untertitel: --child crying -- speaks Serbo-Croatian --)

Mom: Okay honey, we talked about this, you can not stay up in your room all days, staring at an old man through you teleskope.
(Untertitel: Come on, come on. I won't hurt you. - Come on, let's go. You'll be fine.)

DJ: But mom, theres something wrong with the house, I'm serious!
(Untertitel: Come on, hurry. Let's move!)

Mom: What was that?
(Untertitel: Let's go. Get them out of here. - Come on, let's go.)

DJ: I'm serious.
(Untertitel: -- girl whining -- Hey! Hey!)

Mom: His voice sounds funny!
(Vater macht Witz über DJ, der in die Pubertät kommt)
(Untertitel: Drop her! Drop her! - It's too late. - Get in the truck. - Let me go. - It's over. Come on.)

Mom: Maybe he wants to come with us.
(Untertitel: Damn, just get me back in there.)

Vater: Oh, the boys to busy spying all day.
(Untertitel: Sometimes you can't save 'em all.)

DJ: I'm not spying!
(Untertitel: Hello, good evening. I'm the revolution.)

Vater: Oh, that's okay buddy! When I was in your age I was doing exact the same thing. Of course ...
(Untertitel: Won't you sit down and let me tell you about a person. - That lives inside of me like an alter e-g-o. - Another personality from the ones you already know. - Your name is Brad. - B-r-a-d, last name s-e-x-e.)
Vater (stottert): Of course it was you beautyful mother ...
(Untertitel: Straight from the bowels with a towel, without ecstacy, don't sit next to me. - If you're stressing, learn your lesson.)
(DJs Cowder Freund kommt mit einer Maske auf dem Kopf, murmelt etwas.)
(Untertitel: So I kick the spider licks she flirts with mister chick licks.)

DJ (schüttelt den Kopf) Chowder ...
(Untertitel: Hey Guys! Guys, this is a wheelchair ramp.)

Eltern (streiten sich im Auto, beide brüllen, dass sie zu spät kommen)
(Untertitel: Get down like this. Just kinda, give it a little roll ... like this. - Like, I'm gonna put up with his shit. - Hello, ladies. Hello. - Oh, watch out. - Watch were you're going. - Asshole. - Who does he think he is? - Hey, hey, hey. Willy, Willy, Willy, Willy, Willy. - Slow the fuck down. - Get the fuck off me.)

Mutter (kurbelt das Autofenster runter): We love you! That includes your dad ...
(Untertitel: What the fuck's your problem, Hogie? - Hey, Hogarth. - Come on, just chill. Why don't you stop fakin' the fall, man?)

(DJ schreit. Chowder haut ihm auf die Schulter und sagt, wie toll es ist, eine Woche alleine zu sein)
(Untertitel: I'm kinda tough. I'm gonna grow u and be a fuckin' retard.)

Chowder: Hey, I got a new ball ...
(Untertitel: Go ahead, there you go. - Fucking detention.)

DJ: Oh, a ball?
(Untertitel: Oh, a detention?)
usw. - Irgendwie erinnert mich das an den Monthy Python-Sketch, in dem ein Mann vorsätzlich ein Englisch-Ungarisches Wörterbuch fälscht. - Der chinesische Untertitel hingegen scheint einigermaßen zu passen, aber das Publikum ist hier ja sicher ohnehin größtenteils chinesisch, deshalb kaum verwunderlich. Taubstumme Amerikaner sollten sich ihre Filme jedenfalls besser selbst mitbringen.

Dienstag, September 26, 2006

China und die Raubkopien

Wenn es etwas gibt, dass sich Wen Jiabao auf seinen Besuchen im Ausland noch öfter anhören als Kritik an der Situation der Menschenrechte sind das die Klagen der Industrie über den Handel mit Raubkopien, der in China zweifelsohne im großen Maßstab blüht. Angesichts der überwältigenden Zahl potentieller Käufer auf dem gesamtchinesischen Markt kann man verstehen, dass den westlichen Firmen das Wasser im Mund zusammenläuft, angesichts des Milliardenumsatzes, der ihnen auf Grund mangelhaften Copyright-Schutzes entgeht, dass sie an der verstärkten Wahrnehmung des Schutzes geistigen Eigentums und virtueller Güter ein primäres Interesse haben. Zu diesem Thema ist mehr und besseres geschrieben worden, als ich das hier könnte, aber ein paar private Impressionen möchte ich trotzdem loswerden.

Die DVD-"Dealer" findet man an jeder zweiten Ecke, meist kommen sie abends, aber manche stehen auch schon tags über dort. Was man bei ihnen kaufen kann sind in der Regel Kopien von mehr oder weniger erfolgreichen Hollywoodfilmen, chinesische Filme und gelegentlich auch Computerspiele. Auf der Suche nach chinesischen Filmen, die ich sehen könnte, um mein Hörverständnis zu verbessern, habe ich mich auch bei diesen Händlern umgesehen. Kevin, den ich letztes Wochenende endlich mal traf, erzählte mir, dass die chinesische Regierung vor ein, zwei Jahren bereits eine ganze Reihe dieser Läden dicht gemacht hätte und die Händler erst langsam wieder ins Straßenbild zurückkehrten. Das Problem der Raubkopien und Plagiate reicht aber weiter, als dass es in ein paar Händlern auf der Straße ausgemacht werden könnte.

Die Haltung der Chinesen zum Kauf von Kopien scheint jedenfalls nicht dafür zu sprechen, dass sie darin ein wirkliches Problem sähen: Ich unterhielt mich z.B. mit einer Händlerin, während direkt daneben ein Polizist saß, der die DVDs selbst durchsah und gelegentlich mitriet, was für Worte es waren, die mir nicht einfielen. Eine kopierte DVD zu kaufen ist dabei nicht ganz ohne Risiko: Gelegentlich sind es von einer Kinoleinwand abgefilmte Streifen, mal beginnen sie später, mal ist die obere Hälfte der Köpfe der Schauspieler weggeschnitten, weil die Kamera zu tief stand - definitiv nichts für Sammler. Auf die Beschreibung auf dem Cover kann man sich ebenfalls nicht verlassen: Mal sind die Filme weder in Englisch noch in Chinesisch, statt dessen in Russisch oder Spanisch oder haben portugiesische Untertitel. Mal stimmen Filmplakat und Klappentext auch überhaupt nicht überein: Bei einem Jet Li Film z.B. war der Covertext ein Soundtrackreview, die Mitwirkendenliste gehörte zu einem anderen Film.

Chinesische Raubkopierer scheinen auch oft nicht zu verstehen, was sie dort auf die Hüllen ihrer Filme schreiben. Wenn es Englisch ist, ist es cool, je mehr, desto besser. Auf dem Cover von Peter Jackson's "King Kong" konnte man beispielsweise lesen "It wasn't beauty that killed the beast - it was bloat!", offensichtlich von einem Kritiker geschrieben, dem die Länge des Films missfiel. Die Kopierer dachten hingegen wohl, es handle sich dabei um ein Qualitätsurteil, und druckten es groß auf die Rückseite ... :-) :-/ X-(

Bemerkenswert ist, dass es Raubkopien eben nicht nur bei den Händlern auf der Straße gibt, sondern auch in ganz normalen Geschäften wie im Geschäft um die Ecke. Dort stehen dann die echten neben den falschen DVDs - mit dem Unterschied, dass die Kopien meist die Hälfte oder ein Drittel billiger sind. Dass das Problem doch ein größeres ist als die paar Straßenhändler habe ich gestern abend bestätigt bekommen, als ich durch die mittlerweile über siebzig Kanäle unseres chinesischen Fernsehens zappte (und auf allen kommt mehr oder weniger der selbe Schrott). Plötzlich blieb ich bei einer dieser historischen Seifenopern hängen: Der General wollte eben zum Angriff blasen, als der Bösewicht auf den Zinnen damit drohte, seine Tochter zu opfern; die wiederum schrie, sie habe keine Angst, aber es war zuviel für ihre Schwester, die auch im Heer ihres Vaters kämpfte und weinend davon stürmte. Das ganze dauerte irgendwie acht Minuten, ohne dass etwas passierte: Der General zauderte, der Bösewicht drohte, die beiden Töchter schrien in Tränen ihren Satz - brutalster Kitsch in bunten Kostümen also. Der Grund, weshalb ich eigentlich dort hängen blieb, war, dass ich - als Soundtrack-Fan - ein paar bekannte Takte gehört hatte (nämlich aus James Horners "Aliens": Bishop's Countdown). Sie hatten die Musik genommen, um ihre Szene zu untermalen. Im Laufe der Szene folgten noch Stücke anderer bekannter Soundtracks; noch spannender fand ich, dass während der General vor den Toren der Stadt hin und her ritt, immer wieder kurze Szenen eingeschnitten wurden, die meiner Meinung nach aus "Königreich der Himmel" stammten. (Das Ganze wirkte natürlich unglaublich professionell: eine mit einer Videokamera und zehn Statisten gedrehte Soap, unterbrochen von Massenszenen in der Totale.) Und heute Abend entdeckte ich eine Serie, die vom Design der Figuren her das chinesische "Southpark" sein könnte; vom Inhaltlichen her dürften sie jedoch kaum zu verwechseln sein.

Genug für heute: Ich wollte diese kurzen Eindrücke geben, um zu zeigen, dass das Problem "Raubkopien" hier nicht nur an den kleinen einzelnen Händlern liegt, sondern dass es überhaupt eine andere Ansicht über geistiges Eigentum und dessen Weiterverwendbarkeit gibt: Gefällt mir der Soundtrack - wieso soll ich den nicht auch für meinen Film nutzen? Diese Szene da passt da ja auch ausgezeichnet hinein.
Und sie verstehen sicher nicht einmal, weshalb ich das alles komisch finde ...

Montag, September 25, 2006

Krank werden

Krank werden ist hier für Neuankömmlinge ziemlich leicht. Zum einen gibt es die Möglichkeit, etwas zu sich zu nehmen, dass man nicht gewohnt ist oder das nicht sauber war, z.B. ungeschältes Obst oder nicht abgekochtes Wasser. Die Folgen können ziemlich unangenehm sein, zumindest der Schilderung anderer nach, da ich bisher mit dem Essen keine Probleme habe (hab aber auch bisher weder die leckeren Hühnerfüße noch die "tausendjährigen Eier" probiert). Die andere Sache ist, sich zu erkälten. Das Klima ist bisher eigentlich recht konstant und eher sehr warm, problematischer sind die Wechsel, die man so im alltäglichen Leben hat: Im Wohnheim ist es sehr heiß, die Klimaanlage - direkt über meinem Bett - kann eingeschaltet sehr eisig sein. Wenn man mit dem Bus fährt, steht man dicht gedrängt mit hundert anderen Leuten auf engstem Raum. Gerade wenn es Stau gibt, öffnen die Busschaffner die Fenster weit, als ob von draußen frische Luft hereinkommen könnte! Bald ist der Bus voll mit dem Mief der Straße. Steigt man danach in die U-Bahn um, steht man hingegen für kurz oder lang unter einem der vielen Ventilatoren, die es in jedem Abteil gibt, und die in Größe und Leistung an mittelgroße Windmaschinen beim Film erinnern. Kurz - auch bei relativ konstantem Wetter gibt es eine gute Chance, sich doch noch etwas wegzuholen.

Das erste Mal, als es mich fast erwischt hätte, war kurz nach der Ankunft hier. Eine Tour über die Große Mauer ist auch eine gute Gelegenheit: Es ist windig, man schwitzt dazu vor Anstrengung, wenn man die steilen Treppen rauf und runter klettert, und zu allem Überfluss waren wir nur in T-Shirt und kurzer Hose aufgebrochen. Ich hatte damals etwas gekauft, was ich zuerst für Apfelsaft hielt, nach dem ersten Schluck dann für Alkohol und nun weiß, dass es doch Apfelsaft war - allerdings versetzt mit zehn Prozent Essig. (Ja, der chinesische Geschmack ist manchmal schon etwas speziell.) Auf jeden Fall hat es den Hals schön freigeätzt; ich habe das jetzt wieder versucht, aber vermutlich bin ich bereits daran gewöhnt. Diesmal hat es mich also richtig erwischt: Husten, Schnupfen, Hals- und Gliederschmerzen usw. Habe mir jetzt erst einmal die zwei Tage frei genommen. Zum Arzt wollte ich trotzdem noch nicht gehen, da hier wohl sehr schnell zu Antibiotika und obskuren "großen, dunklen Pillen" gegriffen wird. Also erst mal konventionell: Vitamine und unterstützende Medikamente.

Und dabei herausgefunden: Wow, das ist hier richtig teuer! Beispielsweise bekommt man in der Apotheke zwei dieser Vitamin C Brausetablettenröllchen für 68 Kuai (bei uns wäre das ein Viertel oder noch weniger), Pfefferminzöl gibt es nur in 1ml Fläschchen, und die kosten auch nochmal so viel. Obst ist auch nicht gerade billig - für ein paar Kiwis, Orangen und Limonen habe ich auch etwa 100 Kuai hinblättern müssen. Im Vergleich dazu mal die Preise für technische Geräte: Unser elektrischer Reiskocher kostete ebenfalls 100 Kuai, ein DVD-Player so um die 300, der elektrische Wasserkocher 20 und unser kleiner Kühlschrank lag bei knapp 500. Schon seltsam, wenn man das in dieser Form umrechnet: Ein kleiner Kühlschrank für etwa 14 Rollen Vitamin C Brausetabletten, oder ein DVD Player für 6 Gläser Instant-Kaffee (wobei auch das hier Genussmittel und daher etwas teurer ist).

Krank werden ist auch in China nicht günstig.

Samstag, September 23, 2006

Parteeeyyyyy!!!!

Eigentlich begann es unverdächtig: Unsere Lehrerin fragte uns am Freitag, ob wir nicht zur Jubiläumsfeier unserer Uni kommen wollten. Wir müssten uns nur aus dem Bangongshi die Karten abholen, die darüber hinaus noch mianfei (kostenlos) wären. - Das hätte schon etwas misstrauisch stimmen sollen, da hier in der Regel nichts kostenlos ist, was in irgendeiner Weise 好玩 (hao wanr) wäre. Insgesamt neun Studenten ließen sich jedoch überreden und stellten sich für Samstag früh den Wecker. Ein Glück, denn die Veranstaltung fing mit nicht einmal einer Stunde Verspätung an, und die Generalprobe zu verpassen ...



Um es kurz zu machen: Es war schrecklich! Die Kader und verdienstvollen Uni-Veteranen zogen zu Musik ein und nahmen auf der Tribühne platz, es folgte zu viele Ansprachen von verschiedenen Funktionären, die sich über Geschichte und Bedeutung der Universität und der Bildungssituation Chinas äußerten und dabei irgendwie immer noch eine Verbindung zur Parteigeschichte herstellten. Ich muss zugeben, ich habe nicht viel verstanden. Tortzdem kann man sich mit etwas Mühe von einem Hauptwort zum nächsten hangeln, und es ist erstaunlich, wie weit man zumindest bei offiziellen Veranstaltungen mit dem Vokabular kommt, das man aus diesen alten Büchern in Deutschland hat. Wenn man die Vokabeln "Entwicklung", "Aufbau", "Vorbild", "Errungenschaften", "großartige Nation", "Sozialismus", "noch mehr", "schon heute", "schon bald" "internationale Freundschaft", "wirtschaftlich", "Wachstum" und "ganz sicher" und ein paar ähnliche kennt, kann man offiziellen chinesischen Reden eigentlich schon eingermaßen folgen.

Unterbrochen wurde das Ganze noch von gelegentlichem gemeinsamem Singen von fröhlichen Revolutionsliedern (wozu man sich erheben musste, auch wenn man es wenig erhebend fand) und verschiedenen Ehrenauszeichnungen, wozu statt chinesischer Musik allerdings der Radetzky-Marsch gespielt wurde, der ja auch schon dem einen oder anderen Dressurreitwettbewerb seine besondere Note von Feierlichkeit verlieh. Und mitklatschen konnte man das auch - yeah, shake it!

Es gab mehr Gäste als Sitzplätze, weshalb uns der Fluchtweg durch die Tür leider versperrt blieb. Nach gut zwei Stunden war die Zeremonie vorbei, aber viel länger hätte es auch nicht dauern dürfen. Eins weiß ich aber: Das war auf jeden Fall das letzte Mal, dass ich mich hier zu ner Kommunistenparty einladen lasse - selbst wenn es absolut gratis ist!

Mittwoch, September 20, 2006

Ditan Park

Deng Laoshi hatte uns bei unserem Treffen darauf hingewiesen, dass im Ditan Park (direkt gegenüber der U-Bahn-Station Yonghegong) derzeit gerade wieder Buchmesse ist (die wohl zwei mal im Jahr stattfindet). Zusammen mit Anne, Rudi und Gisa (die ich nicht mehr kannte, obwohl sie zumindest am Anfang mal an der FU war) haben wir uns ein bisschen umgesehen und auch ein bisschen Zeug gekauft. In meinem Fall ein wirklich gutes Chinesisch-Englisches Wörterbuch, dass sogar vom Verlag meiner Uni herausgegeben wurde (aber Wörterbücher habe ich jetzt wirklich genug), eine DVD-Tasche und eine Collection von 21 Miyazaki-Filmen auf 2 HDVDs, auf Japanisch mit chinesischem Untertitel. Was für eine Lernmotivation, würde ich nur mal die Zeit zum Filme kucken finden! Ausserdem war in der Box noch eine Seife in Form diese Studio Ghibli Figur (Totoro, denke ich) - sehr merkwürdig. Aber für Zeitungsabonnements ködern sie hier auch mit einer Fünf-Liter-Flasche Erdnussöl.





Neben der eigentlichen Buchmesse gab es auch andere Sachen zu bestaunen, wie z.B. diese wunderbare Ausstellung von alten Propagandapostern (eine der wenigen Sachen, für die man hier nicht noch einmal extra Eintritt bezahlen muss).



Lei Feng, die kommunistische Propagandafigur Chinas schlechthin (mal abgesehen von Mao)! Es ist schon erstaunlich, wo man diese Gesichter auch heute immer noch sieht. Hmm, was wäre vergleichbar? - Weiß irgendwer von den Jüngeren heute noch, wer Timur und sein Trupp waren? So in etwa ...



Die "Buchmesse" ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung hunderter Stände mit meist gebrauchten, unsortierten Büchern, die sich auch ziemlich oft wiederholen, und entsprechend ermüdend wird es nach einer Weile. Die Buchhändler haben auch nicht wirklich einen Überblick über ihr Sortiment, noch wüssten sie, woher man Sachen bekommt, die man sucht. Es ist vielmehr das Prinzip Grabbeltisch: Schau, ob Du was findest, und nimm's mit.


Wir durften uns auch - kostenlos - auf einer der Unterschriftenwände für die Olympiade eintragen, was Rudi für eine subversive Aktion nutzte, die vermutlich beim nächsten Besuch des Botschafters für einen diplomatischen Eklat sorgen wird (nicht wahr, "Dr. A"?! Wir hätten fragen sollen, für welche Zeitung der Fotos schießt! Wenn ich was finde, sag ich Bescheid!) Die Seite der beiden findet man übrigens unter dieser Adresse - für alle, die von China einfach nicht genug bekommen können.

Sonntag, September 17, 2006

Im Yuanmingyuan mit Lehrer Deng

Heute waren wir also gemeinsam mit Lehrer Deng und seiner Familie im Yuanmingyuan, dem alten Sommerpalast. Herr Deng war unser Sprachlehrer an der FU, und wegen seiner ruhigen und freundlichen Art haben ihn alle wohl nur in bester Erinnerung, aber irgendwie ist seine gesamte Familie so (was ich persönlich ziemlich beruhigend finde :-). Obwohl er mittlerweile pensioniert ist, wohnt er noch an seiner Universität (Culture & Language U.), was hier offenbar so gängig ist. Anne und Rudi sind mit ihm schon länger befreundet; mir war es etwas peinlich, mich zu allem einladen zu lassen, und ich werde mich vielleicht bei Gelegenheit dafür revanchieren können.

Der alte Sommerpalast Yuanmingyuan wurde von F. Giuseppe Castiglione (1688 - 1766), einem italienischen Missionar, und P. Michael Benoist (1715 - 1774) aus Frankreich entworfen und unter ihrer Aufsicht von chinesischen Künstlern konstruiert. Die Planung begann 1747, im 12. Jahr der Herrschaft Qianlongs (ha, im selben Jahr kam das hesei toktobuha manjusai wecere metere kooli bithe raus, da ist doch was hängen geblieben), und wenn ich Deng Laoshi richtig verstanden habe, war der Park ein Geschenk an die Mutter des Kaisers zu ihrem 60. Geburtstag. (Das dürfte ihn für die nachfolgenden Jahre allerdings ziemlich unter Druck gesetzt haben, sich eine Steigerung einfallen zu lassen.)



Chinesische Familienverhältnisse sind begrifflich ziemlich kompliziert, da es für alles und jeden eine eigene Bezeichnung gibt. (Sie haben versucht, es mir später beim Essen zu erkären, es ist kompliziert!) - Ohne die Bezeichnungen sind hier (v.l.): Lehrer Duan (Professor und Mann der Schwester von Lehrerin Zhu), Meimei (Herr Dengs Enkelin), Herr Deng, Frau Zhu (Herr Dengs Ehefrau), Rudi und Deng Wei (die Tochter von Deng und Zhu Laoshi).







Rudi, Anne, Meimei und Deng Laoshi an einem der wenigen grünen Flecken in Beijing.







Die Insel auf diesem zugewachsenen Teich ist so eine Art Ethno-Island. Eine größere Anzahl von Figuren aus Holz, die aus Afrika oder von amerikanischen Ureinwohnern stammen sollen (woran ich irgendwie meine Zweifel habe), soll hier wohl das freundschaftliche Verhältnis der Kommunistischen Partei zu den verschiedenen Völkern unterstreichen (es gibt da eine Hütte mit Ausstellung). Natürlich kostet auch die Insel zu betreten etwas (und die Dengs haben es bezahlt, oh je).





Duan Laoshi und Meimei trauen sich über eine Brücke, die unter uns kräftigeren Westlern schon ziemlich geächzt hat. - Macht trotzdem Spaß, drauf zu hüpfen.





Gierige Goldfische: Man kann sie mit Brotkrümeln und anderem füttern, und sie springen auch aufeinander und ein Stück aus dem Wasser heraus, um möglichst hoch zu kommen. Jaa, kommt nur her, ich goldigen Snacks ...



Im Nordwesten des Parks befindet sich ein Labyrinth ("Migong") mit einem kleinen Pavillion in der Mitte. Der Eindruck auf diesem Bild täuscht übrigens gerade, denn leer ist es hier eigentlich gar nicht (und deswegen auch nicht allzu schwer, durchzufinden - immer mit der Masse mit).

Master of the Gongmi



Der alte Sommerpalast wurde 1860 von den Engländern und Franzosen niedergebrannt (was man auf jedem Schild nachlesen kann), und die Ruinen kann man auch heute noch besichtigen. Es mutet schon irgendwie etwas europäisch-antik an (obwohl ich aus Griechenland und Italien nur die Bilder kenne).











Diese ungewöhnliche umgedrehte Pyramidenform ist, wenn wir Duan Laoshis Erklärung richtig verstanden haben, übrigens keine architektonische Raffinesse, sondern Resultat der Baumittelknappheit: Von unten hat man einfach immer ein paar Steine weg genommen. (So wie in letzter Zeit ja auch Teile der Großen Mauer von unwissenden Chinesen als Baumaterial fort getragen wurden - sehr zum Missfallen der Regierung übrigens.)

Anschließend waren wir noch im "Großer Hai Feuertopf Restaurant" direkt gegenüber des Jinma Hotels in der Xueyuanlu. Für 39 Kuai pro Person kann man sich hier an einem sehr großen Buffett selbst bedienen, bis man - chi bu liao - nicht mehr essen kann . Die Köstlichkeiten (und die Absonderlichkeiten genauso) kommen anschließend in eine der beiden Schüsseln des Feuertopfs in der Mitte und können da gekocht werden. (Die rote Seite ist extrem scharf.) Leider bin ich zu spät auf die Idee gekommen, zu fotografieren, denn was hier auf den einzelnen Platten lag, war wirklich ... äh, fotografierenswert.







Das Bier musste mit auf Annes Wunsch mit aufs Bild. Hier also zwei chinesische Professoren beim Biertrinken. - So, welcher Firma können wir das jetzt verkaufen?

Samstag, September 16, 2006

Besuch, coo'

Einerseits ist China zu groß, um zufällig Bekannte zu treffen. Aber 世界是个村庄! (Shìjiè shì ge cūnzhuāng!, „Die Welt ist doch ein Dorf!“), und andererseits liegt es für Sinologiestudenten wohl nahe, ihren Urlaub in China zu verbringen. Anne und Rudi z.B., die ich heute getroffen habe und mit denen ich morgen zum Alten Sommerpalast fahren will. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, und ich habe einige ziemlich interessante Sachen gelernt. Z.B. dass es nicht nur so scheint, als würden Chinesen sich oft auch gegenseitig nicht richtig verstehen, oder dass man als Ausländer schon einen generellen Blödi-Bonus hat, auch wenn man die Töne superexakt betont. Das beruhigt mich in gewisser Weise nachträglich, da ich in Deutschland immer mal versuchte, z.B. im Chinarestaurant mit den Leuten zu reden (die ich zwar verstehen konnte, sie aber mich scheinbar nicht), während mir andererseits z.B. Xiaoming versicherte, eine sehr gute Aussprache zu haben. Was hier bisweilen zu so skurrilen Situationen führt, dass man als Ausländer im Laden die Worte richtig ausspricht und damit nicht verstanden wird, weil die Beijinger sehr oft nur in Nuschel-Hua kommunizieren. Die kleinen Sonderbarkeiten des Alltags, von denen ich mehr schreiben sollte, wie die beiden meinten. Die gibts hier zuhauf, aber sie sind so alltäglich. Ich werd versuchen, trotzdem mal dran zu denken!



Übrigens musste dieses Foto zwei mal gemacht werden, und sie haben beide zweimal wie auf Kommando das Victoryzeichen gemacht. Das sind so die kleinen Details, die wohl die längere Zeit in China verraten, denn diese Geste scheinen komischerweise alle Chinesen zu machen, wenn sie fotografiert werden. Zumindest in der Verbotenen Stadt, auf dem Tiananmen Platz oder an der Mauer sieht man das dauernd. Manchmal wird man auch gebeten, mit aufs Foto zu kommen. Chinesische Sehenswürdigkeiten sind ja alleine schon beeindruckend, aber wie viel Eindruck kann man schinden, wenn man auf einem Foto sogar noch so ner komischen Langnase die Hand um die Schulter legen kann?!

Freitag, September 15, 2006

Eine Woche Sprachkurs

Die erste Woche an der Uni, die als Orientierungsphase gilt, ist vorbei. Es begann letzte Woche mit einem kurzen Sprachtest, bestehend aus einem schriftlichen Teil, in dem wir ein doppelseitig bedrucktes Blatt mit etwa 200 Worten bekamen, die wir in Pinyin wiedergeben sollten, und einem kurzen mündlichen Test, bei dem der Prüfer ein paar kurze Fragen stellte und uns abschließend einen kurzen Text vorlesen lies. Nach ein paar Tagen hingen dann die Listen mit der jeweiligen Kurseinstufung aus, die man innerhalb der ersten Woche noch entsprechend den eigenen Stärken und Wünschen ändern konnte. Die Klasseneinteilung geht hier von A1-A5, B1-B5, C1-C5, D1-3 und E1-3, wobei A1 das niedrigste Level ist und E3 das höchste. Der Schwierigkeitsgrad zwischen den einzelnen Klassen steigt allerdings nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft und manchmal sehr extrem.


Der erste Tag begann mit einer offiziellen Einführungsveranstaltung, bei der die Funktionäre vorgestellt wurden und ihre Ansprachen hielten. Es lief irgendwie genau so ab, wie man das erwarten konnte: Gleich zu Beginn wurden wir aufgefordert, uns für die chinesische Nationalhymne zu erheben (man stelle sich das an deutschen Unis vor). Ein kleiner Patzer, der das ganze etwas auflockerte, war, dass zuerst statt der Hymne die ersten Takte der Internationale erklangen (offenbar hatte der DJ nach der letzten Party seine Platte im CD Player vergessen). Nach kurzer Verzögerung spielte man dann doch die Hymne, gefolgt von den Ansprachen: Alles ist gut, wir sind toll und verbessern uns rasant, und die Zukunft wird selbstverständlich noch besser. Das Ganze wurde zudem gefilmt - vielleicht für die schönen Erinnerungen ...


Der Unterricht besteht im Wesentlichen aus drei Pflichtkursen: Umgangssprache (口语, Kouyu), Leseübungen (阅读, Yuèdú) und Eleganteres Hochchinesisch (博雅汉语, Bóya Hànyu), in den unteren Stufen gibt es noch Hörverständnisübungen, in den höheren Zeitungslektürekurse. Ich war ursprünglich in C3 eingestuft und habe die ersten Tage auch wirklich ernsthaft versucht, mitzukommen. Nachdem ich allerdings bis Mitternacht gelernt habe, dabei gerade einmal den Kouyu-Text bis zum nächsten Tag so halbwegs bewältigte und dabei allein auf um die 100 neuer Vokabeln kam, entschloss ich mich doch für den Kurswechsel und bin nun in C1. Zwischen C1 und C2 besteht praktisch kein Unterschied, und es werden auch die selben Lehrbücher verwendet. Um so überraschender ist der große Spalt, der sich dann zu C3 auftut: Dort habe ich fast nichts verstanden, in C1 konnte ich - bis auf ein paar Wörter - den ersten Text eigentlich sofort lesen (aber es gibt natürlich immer noch genug zu tun). Ein Pluspunkt ist, dass die Vokabeln in den unteren Kursen viel besser für den Alltag geeignet sind. Dafür schleppt sich der Unterricht so etwas dahin, aber ich denke, dass es letztendlich die bessere Entscheidung war. Man soll sich zwar höhere Ziele setzen, um sich auch zu verbessern. Aber das kann ich auch außerhalb des Unterrichts, deshalb ist das aktuelle Level für mich okay. Auch wenn es mir etwas leid tut, denn der Kouyu-Lehrer in C3 wirkte ziemlich smart und hatte die Angewohnheit, zu erklärende Begriffe szenisch darzustellen und mit kleinen Zeichnungen zu erläutern, was sehr unterhaltsam war.

Samstag, September 09, 2006

Tiantang: Der Himmelstempel

Es gibt sie also doch, die grünen Flecken in Bejing: Ben und ich waren heute beim Tiantang, dem Tempel, an dem die chinesischen Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie den Himmel mit Opfern und Zeremonien um eine gute Ernte baten. Neben dem Temepl selbst gibt es noch eine große Grünanlage mit verschiedenen anderen Plätzen. Das "Divine Kitchen" konnten wir zwar nicht wirklich erkennen (Ich hätte da gerne was zu Essen bestellt: Was für divine abilities man davon wohl bekäme - Unsterblichkeit? Blitze und Feuerbälle verschießen können? Für letzteres reichen aber eigentlich schon die normalen Sichuan-Spezialitäten ...); der Komplex, in dem die rituelle Musik gelehrt und aufgeführt wurde, war aber schon interessant, zumal es im Musikmuseum (und Shop, selbstverständlich) sogar ein paar praktische Möglichkeiten des Ausprobierens gab. - So erholsam der Park, so ungesund ist es aber, bei seiner Sightseeing Tour am Wochenende auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurück zu greifen; alles sehr überfüllt. Wer diese Bilder der Toykoer U-Bahn kennt - die Bejinger stehen dem zu manchen Zeiten in nichts nach, und das Nahverkehrsnetz dürfte hier noch deutlich schlechter ausgebaut sein als dort. Es gibt noch viel zu tun bis 2008.









Die verschiedenen Gebäude erfüllen unterschiedliche Zwecke und es gibt hier sogar hin und wieder Tafeln, die bestimmte Geschichten zusätzlich in Englisch erzählen. Wie z.B. die der Siebzig-Jahre-Tür, einen Seiteneingang zum Tempel, den Qianlong bauen ließ, weil er zu alt für den normalen Weg über die Stufen war. Weil das jedoch den Ablauf des Ritual verwässerte legte er fest, dass seine Nachkommen diese Tür nur ab seinem Alter benutzen dürften - was nach ihm kein chinesischer Kaiser mehr erreichte. - Die Zweisprachigkeit der meisten Schilder mit Hausnamen und Plaketten bietet auch die Möglichkeit, mal wieder etwas verschüttetes Manjurisch auszugraben (aber Herr von Mende wäre sicher not amused).

Der Himmel ist - wie das Dach - rund, und die Erde - symbolisisert durch vier die Himmelsrichtungen darstellenden Pfeiler im Inneren - ist viereckig, selbstverständlich. Das gesamte Tempelgebäude ist übrigens ohne einen einzigen Nagel gebaut; die Techniken kann man in den in den umliegenden Gebäuden aufgebauten kleinen Ausstellungen etwas genauer betrachten.






Das Musikmuseum bietet einige Möglichkeiten, selbst Instrumente wie Trommeln, Glocken und ein schrecklich verstimmtes Qin auszuprobieren.



Von dem etwas erhöht liegenden Tempelvorhof kann man weiter über die Stadt sehen, als das aus der Stadt selbst oft möglich ist. An einem klaren Tag sieht man dann am Horizont die großen Bergketten, von denen Beijing umschlossen wird und die hier auf dem Foto kleiner wirken als mit dem bloßen Auge.

Mittwoch, September 06, 2006

Krankenhaus und Internationaler Biergarten (in dieser Reihenfolge)

Heute also haben wir den unangenehmeren Teil hinter uns gebracht: den Besuch im Krankenhaus. Als wir uns Montag registrieren ließen, wurden einige Studenten gleich damit vertraut gemacht, dass sie zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus sollten, und dass dies 400 Yuan kosten würde. Wir mussten schon für die resident permit runde 500 Yuan bezahlen und waren dementsprechend wenig begeistert. Ich ging noch einmal zurück und erklärte dem einen Fuwuyuan sehr eindringlich, dass ich dies nicht einsehen würde (Ulf meinte auch, in China gewönnen bisweilen, wer es schaffe, den anderen nicht zu Wort kommen zu lassen; ich glaube fast, er hatte ein bisschen Angst vor mir). Auf jeden Fall versicherte er mir, das sei sicher nur ein Missverständnis und die Unterlagen würden genügen - um mich dann später auf meinem Zimmer doch noch einmal anzurufen und mir zu sagen, ich solle doch besser das Geld mitnehmen. Nun ja. Das beste war die Erklärung, denn er begründete es damit, dass mein medizinisches Gutachten nicht "in China ausgestellt sei". Das klang sehr nach Abzocke.

Wir haben uns also bis heute darüber geärgert. Um halb zwei fuhren wir mit drei Reisebussen in ein Krankenhaus, wo wir ein Formular ausfüllen mussten und mit unseren Unterlagen dann gegen 60 Yuan ein Zertifikat erhielten. Untersuchungen gab es keine, nur endloses in einer Reihe stehen und schließlich eine Sachbearbeiterin (im weißen Kittel!), die unsere Daten in den Rechner eingab. Letztendlich also "much ado about nothing", aber das betraf auch nicht alle: Eine Koreanerin oder Japanerin vor mir musste 360 Yuan zahlen, Ulf meinte, vor ihm habe auch eine gestanden, die mehrere Hundert zahlen musste. Untersuchungen gab es aber, so weit ich gesehen habe, keine.

Weil wir nun also doch nur 500 statt 1000 Y zahlen mussten, beschlossen wir, es umgehend auf den Kopf zu hauen. Nein - Spaß - nur ein bisschen, und zwar im Internationalen Biergarten am Wudaokou, der entegen der Erwartungen nicht etwa von Deutschen, sondern von Muslimen (Húi) geleitet wird. Wegen des Regens war der Garten nicht sehr gut besucht, aber bei schönem Wetter ist es bestimmt ein toller Ort. International ist er auf jeden Fall: Ben entdeckte dort z.B. zufällig ein älteres Semester von seiner Schule in Michigan, der gerade in Bejing wohl als Dozent arbeitet.

Ben und Ulf: Sagt mal jiiiiiiiiii ...


Die Hähnchenspieße hier (wie auch immer sie heißen) sind echt lecker, die mit Rindfleisch eher zäh, aber das ist wohl Geschmackssache. Fleisch ist immer auch ein Wohlstandssymbol, aber hier gibst auch so viele leckere vegetarische Sachen, dass sich auch Buddhisten im Biergarten wohl fühlen dürften. (Ich krieg übrigens kein Geld dafür, Schande ...)

Dienstag, September 05, 2006

Tienanmen und Verbotene Stadt

An Maos 30. Todestag (was wir bei unserer Planung aber nicht wussten) beschlossen Ben und ich, uns die Verbotene Stadt und die Tienanmen Platz anzusehen. Man kommt sehr leicht mit dem Bus und der U-Bahn dorthin, aber erst einmal den Stadtplan zu lesen ist schon eine Herausforderung. Am Tienanmen angekommen wurden wir gleich von ein paar Studentinnen interviewt, die uns nach unserem Eindruck von Beijing und eventuellen Verbesserungsvorschlägen, wohl im Hinblick auf 2008 hätten. Es war ganz nett, doch schon mit den zweiten Studentinnen, die uns kurze Zeit später ansprachen, änderte sich das. Nicht nur, weil ihr "Interview" eher einem Verhör glich, sondern auch, weil es sich letzten Endes als Scheingespräch entpuppte und man uns statt dessen in eine Kunstausstellung mit Kaufoption lotsen wollte (was wir aber ablehnten). Wir gingen ein wenig weiter über den Platz, als uns ein Mann ansprach, der sich mit uns über tolle amerikanische Filme unterhalten wollte, von denen er die Sprache gelernt habe - und uns überreden wollte, eine Kunstausstellung mit Kaufoption zu besuchen. Wir lehnten dankend ab und machten einen Bogen am Denkmal der Volkshelden vorbei zu Maos Mausoleum, das vielleicht wegen des Todestags geschlossen war, bevor wir ohne anzuhalten vor den Kunstverkäufern in die Verbotene Stadt flüchteten.

Was kann man über die Verbotene Stadt sagen. Eigentlich dürfte sie jedem irgendwie aus den Fernsehdokumentationen bekannt sein. Die großen Straßen werden nach einiger Zeit monoton (und da es sich wirklich um eine kleine Stadt handelt, tun einem zudem bald die Füße ziemlich weh), doch die Seitenbereiche, in denen die Plätze Bedienstete, Eunuchen und Konkubinen waren, sind verschatelter und interessanter gestaltet, und es gibt einige Ausstellungen zu besichtigen. Wir erhielten ab und zu auch freundliche Erklärungen in Englisch zu verschiedenen Dingen, bevor man versuchte, uns in eine Kunstausstellung mit Kaufoption zu locken ... Eine von denen haben wir uns angesehen, und es handelte sich um zweifelsohne sehr talentierte Maler. Aber auch wenn man Student aus dem Westen ist, heit das nicht, dass man sein Kopfkissen mit Geldscheinen ausstopft, deshalb kauften wir nichts.

Ein paar Fotos habe ich gemacht, die ich hier einfach ohne großen Kommentar einstelle. Die Gebäude auf dem Hauptweg sind kolossal, die langen Straßen bieten interessante Fluchtpunktperspektiven, und die Seitenbereiche haben Gärten mit sehr alten, interessant verschnörkelten Bäumen und Steinen. Wenn man sich einen Audioführer am Eingang mietet, kann man sich vom band Fakten zu den einzelnen Orten erzählen lassen; Texte in den Ausstellungen sind ausschließlich auf Chinesisch.























Die dem Eingang nachgestellten Türen hindern natürlich keinen Menschen am hereinkommen, dagegen aber Geister, ebenso wie Türschwellen in einer bestimmten Höhe oder Wassergräben.







Die Anzahl der Tiere auf dem Dach sagt etwas über die Stellung in der Heirarchie der hier jeweils lebenden Person aus.