Freitag, September 15, 2006

Eine Woche Sprachkurs

Die erste Woche an der Uni, die als Orientierungsphase gilt, ist vorbei. Es begann letzte Woche mit einem kurzen Sprachtest, bestehend aus einem schriftlichen Teil, in dem wir ein doppelseitig bedrucktes Blatt mit etwa 200 Worten bekamen, die wir in Pinyin wiedergeben sollten, und einem kurzen mündlichen Test, bei dem der Prüfer ein paar kurze Fragen stellte und uns abschließend einen kurzen Text vorlesen lies. Nach ein paar Tagen hingen dann die Listen mit der jeweiligen Kurseinstufung aus, die man innerhalb der ersten Woche noch entsprechend den eigenen Stärken und Wünschen ändern konnte. Die Klasseneinteilung geht hier von A1-A5, B1-B5, C1-C5, D1-3 und E1-3, wobei A1 das niedrigste Level ist und E3 das höchste. Der Schwierigkeitsgrad zwischen den einzelnen Klassen steigt allerdings nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft und manchmal sehr extrem.


Der erste Tag begann mit einer offiziellen Einführungsveranstaltung, bei der die Funktionäre vorgestellt wurden und ihre Ansprachen hielten. Es lief irgendwie genau so ab, wie man das erwarten konnte: Gleich zu Beginn wurden wir aufgefordert, uns für die chinesische Nationalhymne zu erheben (man stelle sich das an deutschen Unis vor). Ein kleiner Patzer, der das ganze etwas auflockerte, war, dass zuerst statt der Hymne die ersten Takte der Internationale erklangen (offenbar hatte der DJ nach der letzten Party seine Platte im CD Player vergessen). Nach kurzer Verzögerung spielte man dann doch die Hymne, gefolgt von den Ansprachen: Alles ist gut, wir sind toll und verbessern uns rasant, und die Zukunft wird selbstverständlich noch besser. Das Ganze wurde zudem gefilmt - vielleicht für die schönen Erinnerungen ...


Der Unterricht besteht im Wesentlichen aus drei Pflichtkursen: Umgangssprache (口语, Kouyu), Leseübungen (阅读, Yuèdú) und Eleganteres Hochchinesisch (博雅汉语, Bóya Hànyu), in den unteren Stufen gibt es noch Hörverständnisübungen, in den höheren Zeitungslektürekurse. Ich war ursprünglich in C3 eingestuft und habe die ersten Tage auch wirklich ernsthaft versucht, mitzukommen. Nachdem ich allerdings bis Mitternacht gelernt habe, dabei gerade einmal den Kouyu-Text bis zum nächsten Tag so halbwegs bewältigte und dabei allein auf um die 100 neuer Vokabeln kam, entschloss ich mich doch für den Kurswechsel und bin nun in C1. Zwischen C1 und C2 besteht praktisch kein Unterschied, und es werden auch die selben Lehrbücher verwendet. Um so überraschender ist der große Spalt, der sich dann zu C3 auftut: Dort habe ich fast nichts verstanden, in C1 konnte ich - bis auf ein paar Wörter - den ersten Text eigentlich sofort lesen (aber es gibt natürlich immer noch genug zu tun). Ein Pluspunkt ist, dass die Vokabeln in den unteren Kursen viel besser für den Alltag geeignet sind. Dafür schleppt sich der Unterricht so etwas dahin, aber ich denke, dass es letztendlich die bessere Entscheidung war. Man soll sich zwar höhere Ziele setzen, um sich auch zu verbessern. Aber das kann ich auch außerhalb des Unterrichts, deshalb ist das aktuelle Level für mich okay. Auch wenn es mir etwas leid tut, denn der Kouyu-Lehrer in C3 wirkte ziemlich smart und hatte die Angewohnheit, zu erklärende Begriffe szenisch darzustellen und mit kleinen Zeichnungen zu erläutern, was sehr unterhaltsam war.

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