Wenn es etwas gibt, dass sich Wen Jiabao auf seinen Besuchen im Ausland noch öfter anhören als Kritik an der Situation der Menschenrechte sind das die Klagen der Industrie über den Handel mit Raubkopien, der in China zweifelsohne im großen Maßstab blüht. Angesichts der überwältigenden Zahl potentieller Käufer auf dem gesamtchinesischen Markt kann man verstehen, dass den westlichen Firmen das Wasser im Mund zusammenläuft, angesichts des Milliardenumsatzes, der ihnen auf Grund mangelhaften Copyright-Schutzes entgeht, dass sie an der verstärkten Wahrnehmung des Schutzes geistigen Eigentums und virtueller Güter ein primäres Interesse haben. Zu diesem Thema ist mehr und besseres geschrieben worden, als ich das hier könnte, aber ein paar private Impressionen möchte ich trotzdem loswerden.
Die DVD-"Dealer" findet man an jeder zweiten Ecke, meist kommen sie abends, aber manche stehen auch schon tags über dort. Was man bei ihnen kaufen kann sind in der Regel Kopien von mehr oder weniger erfolgreichen Hollywoodfilmen, chinesische Filme und gelegentlich auch Computerspiele. Auf der Suche nach chinesischen Filmen, die ich sehen könnte, um mein Hörverständnis zu verbessern, habe ich mich auch bei diesen Händlern umgesehen. Kevin, den ich letztes Wochenende endlich mal traf, erzählte mir, dass die chinesische Regierung vor ein, zwei Jahren bereits eine ganze Reihe dieser Läden dicht gemacht hätte und die Händler erst langsam wieder ins Straßenbild zurückkehrten. Das Problem der Raubkopien und Plagiate reicht aber weiter, als dass es in ein paar Händlern auf der Straße ausgemacht werden könnte.
Die Haltung der Chinesen zum Kauf von Kopien scheint jedenfalls nicht dafür zu sprechen, dass sie darin ein wirkliches Problem sähen: Ich unterhielt mich z.B. mit einer Händlerin, während direkt daneben ein Polizist saß, der die DVDs selbst durchsah und gelegentlich mitriet, was für Worte es waren, die mir nicht einfielen. Eine kopierte DVD zu kaufen ist dabei nicht ganz ohne Risiko: Gelegentlich sind es von einer Kinoleinwand abgefilmte Streifen, mal beginnen sie später, mal ist die obere Hälfte der Köpfe der Schauspieler weggeschnitten, weil die Kamera zu tief stand - definitiv nichts für Sammler. Auf die Beschreibung auf dem Cover kann man sich ebenfalls nicht verlassen: Mal sind die Filme weder in Englisch noch in Chinesisch, statt dessen in Russisch oder Spanisch oder haben portugiesische Untertitel. Mal stimmen Filmplakat und Klappentext auch überhaupt nicht überein: Bei einem Jet Li Film z.B. war der Covertext ein Soundtrackreview, die Mitwirkendenliste gehörte zu einem anderen Film.
Chinesische Raubkopierer scheinen auch oft nicht zu verstehen, was sie dort auf die Hüllen ihrer Filme schreiben. Wenn es Englisch ist, ist es cool, je mehr, desto besser. Auf dem Cover von Peter Jackson's "King Kong" konnte man beispielsweise lesen "It wasn't beauty that killed the beast - it was bloat!", offensichtlich von einem Kritiker geschrieben, dem die Länge des Films missfiel. Die Kopierer dachten hingegen wohl, es handle sich dabei um ein Qualitätsurteil, und druckten es groß auf die Rückseite ... :-) :-/ X-(
Bemerkenswert ist, dass es Raubkopien eben nicht nur bei den Händlern auf der Straße gibt, sondern auch in ganz normalen Geschäften wie im Geschäft um die Ecke. Dort stehen dann die echten neben den falschen DVDs - mit dem Unterschied, dass die Kopien meist die Hälfte oder ein Drittel billiger sind. Dass das Problem doch ein größeres ist als die paar Straßenhändler habe ich gestern abend bestätigt bekommen, als ich durch die mittlerweile über siebzig Kanäle unseres chinesischen Fernsehens zappte (und auf allen kommt mehr oder weniger der selbe Schrott). Plötzlich blieb ich bei einer dieser historischen Seifenopern hängen: Der General wollte eben zum Angriff blasen, als der Bösewicht auf den Zinnen damit drohte, seine Tochter zu opfern; die wiederum schrie, sie habe keine Angst, aber es war zuviel für ihre Schwester, die auch im Heer ihres Vaters kämpfte und weinend davon stürmte. Das ganze dauerte irgendwie acht Minuten, ohne dass etwas passierte: Der General zauderte, der Bösewicht drohte, die beiden Töchter schrien in Tränen ihren Satz - brutalster Kitsch in bunten Kostümen also. Der Grund, weshalb ich eigentlich dort hängen blieb, war, dass ich - als Soundtrack-Fan - ein paar bekannte Takte gehört hatte (nämlich aus James Horners "Aliens": Bishop's Countdown). Sie hatten die Musik genommen, um ihre Szene zu untermalen. Im Laufe der Szene folgten noch Stücke anderer bekannter Soundtracks; noch spannender fand ich, dass während der General vor den Toren der Stadt hin und her ritt, immer wieder kurze Szenen eingeschnitten wurden, die meiner Meinung nach aus "Königreich der Himmel" stammten. (Das Ganze wirkte natürlich unglaublich professionell: eine mit einer Videokamera und zehn Statisten gedrehte Soap, unterbrochen von Massenszenen in der Totale.) Und heute Abend entdeckte ich eine Serie, die vom Design der Figuren her das chinesische "Southpark" sein könnte; vom Inhaltlichen her dürften sie jedoch kaum zu verwechseln sein.
Genug für heute: Ich wollte diese kurzen Eindrücke geben, um zu zeigen, dass das Problem "Raubkopien" hier nicht nur an den kleinen einzelnen Händlern liegt, sondern dass es überhaupt eine andere Ansicht über geistiges Eigentum und dessen Weiterverwendbarkeit gibt: Gefällt mir der Soundtrack - wieso soll ich den nicht auch für meinen Film nutzen? Diese Szene da passt da ja auch ausgezeichnet hinein.
Die DVD-"Dealer" findet man an jeder zweiten Ecke, meist kommen sie abends, aber manche stehen auch schon tags über dort. Was man bei ihnen kaufen kann sind in der Regel Kopien von mehr oder weniger erfolgreichen Hollywoodfilmen, chinesische Filme und gelegentlich auch Computerspiele. Auf der Suche nach chinesischen Filmen, die ich sehen könnte, um mein Hörverständnis zu verbessern, habe ich mich auch bei diesen Händlern umgesehen. Kevin, den ich letztes Wochenende endlich mal traf, erzählte mir, dass die chinesische Regierung vor ein, zwei Jahren bereits eine ganze Reihe dieser Läden dicht gemacht hätte und die Händler erst langsam wieder ins Straßenbild zurückkehrten. Das Problem der Raubkopien und Plagiate reicht aber weiter, als dass es in ein paar Händlern auf der Straße ausgemacht werden könnte.
Die Haltung der Chinesen zum Kauf von Kopien scheint jedenfalls nicht dafür zu sprechen, dass sie darin ein wirkliches Problem sähen: Ich unterhielt mich z.B. mit einer Händlerin, während direkt daneben ein Polizist saß, der die DVDs selbst durchsah und gelegentlich mitriet, was für Worte es waren, die mir nicht einfielen. Eine kopierte DVD zu kaufen ist dabei nicht ganz ohne Risiko: Gelegentlich sind es von einer Kinoleinwand abgefilmte Streifen, mal beginnen sie später, mal ist die obere Hälfte der Köpfe der Schauspieler weggeschnitten, weil die Kamera zu tief stand - definitiv nichts für Sammler. Auf die Beschreibung auf dem Cover kann man sich ebenfalls nicht verlassen: Mal sind die Filme weder in Englisch noch in Chinesisch, statt dessen in Russisch oder Spanisch oder haben portugiesische Untertitel. Mal stimmen Filmplakat und Klappentext auch überhaupt nicht überein: Bei einem Jet Li Film z.B. war der Covertext ein Soundtrackreview, die Mitwirkendenliste gehörte zu einem anderen Film.
Chinesische Raubkopierer scheinen auch oft nicht zu verstehen, was sie dort auf die Hüllen ihrer Filme schreiben. Wenn es Englisch ist, ist es cool, je mehr, desto besser. Auf dem Cover von Peter Jackson's "King Kong" konnte man beispielsweise lesen "It wasn't beauty that killed the beast - it was bloat!", offensichtlich von einem Kritiker geschrieben, dem die Länge des Films missfiel. Die Kopierer dachten hingegen wohl, es handle sich dabei um ein Qualitätsurteil, und druckten es groß auf die Rückseite ... :-) :-/ X-(
Bemerkenswert ist, dass es Raubkopien eben nicht nur bei den Händlern auf der Straße gibt, sondern auch in ganz normalen Geschäften wie im Geschäft um die Ecke. Dort stehen dann die echten neben den falschen DVDs - mit dem Unterschied, dass die Kopien meist die Hälfte oder ein Drittel billiger sind. Dass das Problem doch ein größeres ist als die paar Straßenhändler habe ich gestern abend bestätigt bekommen, als ich durch die mittlerweile über siebzig Kanäle unseres chinesischen Fernsehens zappte (und auf allen kommt mehr oder weniger der selbe Schrott). Plötzlich blieb ich bei einer dieser historischen Seifenopern hängen: Der General wollte eben zum Angriff blasen, als der Bösewicht auf den Zinnen damit drohte, seine Tochter zu opfern; die wiederum schrie, sie habe keine Angst, aber es war zuviel für ihre Schwester, die auch im Heer ihres Vaters kämpfte und weinend davon stürmte. Das ganze dauerte irgendwie acht Minuten, ohne dass etwas passierte: Der General zauderte, der Bösewicht drohte, die beiden Töchter schrien in Tränen ihren Satz - brutalster Kitsch in bunten Kostümen also. Der Grund, weshalb ich eigentlich dort hängen blieb, war, dass ich - als Soundtrack-Fan - ein paar bekannte Takte gehört hatte (nämlich aus James Horners "Aliens": Bishop's Countdown). Sie hatten die Musik genommen, um ihre Szene zu untermalen. Im Laufe der Szene folgten noch Stücke anderer bekannter Soundtracks; noch spannender fand ich, dass während der General vor den Toren der Stadt hin und her ritt, immer wieder kurze Szenen eingeschnitten wurden, die meiner Meinung nach aus "Königreich der Himmel" stammten. (Das Ganze wirkte natürlich unglaublich professionell: eine mit einer Videokamera und zehn Statisten gedrehte Soap, unterbrochen von Massenszenen in der Totale.) Und heute Abend entdeckte ich eine Serie, die vom Design der Figuren her das chinesische "Southpark" sein könnte; vom Inhaltlichen her dürften sie jedoch kaum zu verwechseln sein.
Genug für heute: Ich wollte diese kurzen Eindrücke geben, um zu zeigen, dass das Problem "Raubkopien" hier nicht nur an den kleinen einzelnen Händlern liegt, sondern dass es überhaupt eine andere Ansicht über geistiges Eigentum und dessen Weiterverwendbarkeit gibt: Gefällt mir der Soundtrack - wieso soll ich den nicht auch für meinen Film nutzen? Diese Szene da passt da ja auch ausgezeichnet hinein.
Und sie verstehen sicher nicht einmal, weshalb ich das alles komisch finde ...

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