Samstag, September 23, 2006

Parteeeyyyyy!!!!

Eigentlich begann es unverdächtig: Unsere Lehrerin fragte uns am Freitag, ob wir nicht zur Jubiläumsfeier unserer Uni kommen wollten. Wir müssten uns nur aus dem Bangongshi die Karten abholen, die darüber hinaus noch mianfei (kostenlos) wären. - Das hätte schon etwas misstrauisch stimmen sollen, da hier in der Regel nichts kostenlos ist, was in irgendeiner Weise 好玩 (hao wanr) wäre. Insgesamt neun Studenten ließen sich jedoch überreden und stellten sich für Samstag früh den Wecker. Ein Glück, denn die Veranstaltung fing mit nicht einmal einer Stunde Verspätung an, und die Generalprobe zu verpassen ...



Um es kurz zu machen: Es war schrecklich! Die Kader und verdienstvollen Uni-Veteranen zogen zu Musik ein und nahmen auf der Tribühne platz, es folgte zu viele Ansprachen von verschiedenen Funktionären, die sich über Geschichte und Bedeutung der Universität und der Bildungssituation Chinas äußerten und dabei irgendwie immer noch eine Verbindung zur Parteigeschichte herstellten. Ich muss zugeben, ich habe nicht viel verstanden. Tortzdem kann man sich mit etwas Mühe von einem Hauptwort zum nächsten hangeln, und es ist erstaunlich, wie weit man zumindest bei offiziellen Veranstaltungen mit dem Vokabular kommt, das man aus diesen alten Büchern in Deutschland hat. Wenn man die Vokabeln "Entwicklung", "Aufbau", "Vorbild", "Errungenschaften", "großartige Nation", "Sozialismus", "noch mehr", "schon heute", "schon bald" "internationale Freundschaft", "wirtschaftlich", "Wachstum" und "ganz sicher" und ein paar ähnliche kennt, kann man offiziellen chinesischen Reden eigentlich schon eingermaßen folgen.

Unterbrochen wurde das Ganze noch von gelegentlichem gemeinsamem Singen von fröhlichen Revolutionsliedern (wozu man sich erheben musste, auch wenn man es wenig erhebend fand) und verschiedenen Ehrenauszeichnungen, wozu statt chinesischer Musik allerdings der Radetzky-Marsch gespielt wurde, der ja auch schon dem einen oder anderen Dressurreitwettbewerb seine besondere Note von Feierlichkeit verlieh. Und mitklatschen konnte man das auch - yeah, shake it!

Es gab mehr Gäste als Sitzplätze, weshalb uns der Fluchtweg durch die Tür leider versperrt blieb. Nach gut zwei Stunden war die Zeremonie vorbei, aber viel länger hätte es auch nicht dauern dürfen. Eins weiß ich aber: Das war auf jeden Fall das letzte Mal, dass ich mich hier zu ner Kommunistenparty einladen lasse - selbst wenn es absolut gratis ist!

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