Krank werden ist hier für Neuankömmlinge ziemlich leicht. Zum einen gibt es die Möglichkeit, etwas zu sich zu nehmen, dass man nicht gewohnt ist oder das nicht sauber war, z.B. ungeschältes Obst oder nicht abgekochtes Wasser. Die Folgen können ziemlich unangenehm sein, zumindest der Schilderung anderer nach, da ich bisher mit dem Essen keine Probleme habe (hab aber auch bisher weder die leckeren Hühnerfüße noch die "tausendjährigen Eier" probiert). Die andere Sache ist, sich zu erkälten. Das Klima ist bisher eigentlich recht konstant und eher sehr warm, problematischer sind die Wechsel, die man so im alltäglichen Leben hat: Im Wohnheim ist es sehr heiß, die Klimaanlage - direkt über meinem Bett - kann eingeschaltet sehr eisig sein. Wenn man mit dem Bus fährt, steht man dicht gedrängt mit hundert anderen Leuten auf engstem Raum. Gerade wenn es Stau gibt, öffnen die Busschaffner die Fenster weit, als ob von draußen frische Luft hereinkommen könnte! Bald ist der Bus voll mit dem Mief der Straße. Steigt man danach in die U-Bahn um, steht man hingegen für kurz oder lang unter einem der vielen Ventilatoren, die es in jedem Abteil gibt, und die in Größe und Leistung an mittelgroße Windmaschinen beim Film erinnern. Kurz - auch bei relativ konstantem Wetter gibt es eine gute Chance, sich doch noch etwas wegzuholen.
Das erste Mal, als es mich fast erwischt hätte, war kurz nach der Ankunft hier. Eine Tour über die Große Mauer ist auch eine gute Gelegenheit: Es ist windig, man schwitzt dazu vor Anstrengung, wenn man die steilen Treppen rauf und runter klettert, und zu allem Überfluss waren wir nur in T-Shirt und kurzer Hose aufgebrochen. Ich hatte damals etwas gekauft, was ich zuerst für Apfelsaft hielt, nach dem ersten Schluck dann für Alkohol und nun weiß, dass es doch Apfelsaft war - allerdings versetzt mit zehn Prozent Essig. (Ja, der chinesische Geschmack ist manchmal schon etwas speziell.) Auf jeden Fall hat es den Hals schön freigeätzt; ich habe das jetzt wieder versucht, aber vermutlich bin ich bereits daran gewöhnt. Diesmal hat es mich also richtig erwischt: Husten, Schnupfen, Hals- und Gliederschmerzen usw. Habe mir jetzt erst einmal die zwei Tage frei genommen. Zum Arzt wollte ich trotzdem noch nicht gehen, da hier wohl sehr schnell zu Antibiotika und obskuren "großen, dunklen Pillen" gegriffen wird. Also erst mal konventionell: Vitamine und unterstützende Medikamente.
Und dabei herausgefunden: Wow, das ist hier richtig teuer! Beispielsweise bekommt man in der Apotheke zwei dieser Vitamin C Brausetablettenröllchen für 68 Kuai (bei uns wäre das ein Viertel oder noch weniger), Pfefferminzöl gibt es nur in 1ml Fläschchen, und die kosten auch nochmal so viel. Obst ist auch nicht gerade billig - für ein paar Kiwis, Orangen und Limonen habe ich auch etwa 100 Kuai hinblättern müssen. Im Vergleich dazu mal die Preise für technische Geräte: Unser elektrischer Reiskocher kostete ebenfalls 100 Kuai, ein DVD-Player so um die 300, der elektrische Wasserkocher 20 und unser kleiner Kühlschrank lag bei knapp 500. Schon seltsam, wenn man das in dieser Form umrechnet: Ein kleiner Kühlschrank für etwa 14 Rollen Vitamin C Brausetabletten, oder ein DVD Player für 6 Gläser Instant-Kaffee (wobei auch das hier Genussmittel und daher etwas teurer ist).
Krank werden ist auch in China nicht günstig.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen