Samstag, September 09, 2006

Tiantang: Der Himmelstempel

Es gibt sie also doch, die grünen Flecken in Bejing: Ben und ich waren heute beim Tiantang, dem Tempel, an dem die chinesischen Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie den Himmel mit Opfern und Zeremonien um eine gute Ernte baten. Neben dem Temepl selbst gibt es noch eine große Grünanlage mit verschiedenen anderen Plätzen. Das "Divine Kitchen" konnten wir zwar nicht wirklich erkennen (Ich hätte da gerne was zu Essen bestellt: Was für divine abilities man davon wohl bekäme - Unsterblichkeit? Blitze und Feuerbälle verschießen können? Für letzteres reichen aber eigentlich schon die normalen Sichuan-Spezialitäten ...); der Komplex, in dem die rituelle Musik gelehrt und aufgeführt wurde, war aber schon interessant, zumal es im Musikmuseum (und Shop, selbstverständlich) sogar ein paar praktische Möglichkeiten des Ausprobierens gab. - So erholsam der Park, so ungesund ist es aber, bei seiner Sightseeing Tour am Wochenende auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurück zu greifen; alles sehr überfüllt. Wer diese Bilder der Toykoer U-Bahn kennt - die Bejinger stehen dem zu manchen Zeiten in nichts nach, und das Nahverkehrsnetz dürfte hier noch deutlich schlechter ausgebaut sein als dort. Es gibt noch viel zu tun bis 2008.









Die verschiedenen Gebäude erfüllen unterschiedliche Zwecke und es gibt hier sogar hin und wieder Tafeln, die bestimmte Geschichten zusätzlich in Englisch erzählen. Wie z.B. die der Siebzig-Jahre-Tür, einen Seiteneingang zum Tempel, den Qianlong bauen ließ, weil er zu alt für den normalen Weg über die Stufen war. Weil das jedoch den Ablauf des Ritual verwässerte legte er fest, dass seine Nachkommen diese Tür nur ab seinem Alter benutzen dürften - was nach ihm kein chinesischer Kaiser mehr erreichte. - Die Zweisprachigkeit der meisten Schilder mit Hausnamen und Plaketten bietet auch die Möglichkeit, mal wieder etwas verschüttetes Manjurisch auszugraben (aber Herr von Mende wäre sicher not amused).

Der Himmel ist - wie das Dach - rund, und die Erde - symbolisisert durch vier die Himmelsrichtungen darstellenden Pfeiler im Inneren - ist viereckig, selbstverständlich. Das gesamte Tempelgebäude ist übrigens ohne einen einzigen Nagel gebaut; die Techniken kann man in den in den umliegenden Gebäuden aufgebauten kleinen Ausstellungen etwas genauer betrachten.






Das Musikmuseum bietet einige Möglichkeiten, selbst Instrumente wie Trommeln, Glocken und ein schrecklich verstimmtes Qin auszuprobieren.



Von dem etwas erhöht liegenden Tempelvorhof kann man weiter über die Stadt sehen, als das aus der Stadt selbst oft möglich ist. An einem klaren Tag sieht man dann am Horizont die großen Bergketten, von denen Beijing umschlossen wird und die hier auf dem Foto kleiner wirken als mit dem bloßen Auge.

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