Mittwoch, Dezember 06, 2006

Bai Tasi

Mit einiger Verspätung nun auch noch dieser Eintrag: Hab mich am 06.12. mal mit Kevin getroffen. Die Entfernungen in Beijing sind wesentlich größer als in Berlin, und sich irgendwo zu treffen ist für so faule Säcke wie uns manchmal einfach tai mafan. Um so netter, dass wir es nun doch mal auf die Reihe bekommen haben. Angesehen haben wir uns ein buddhistisches Kloster in der Nähe des Lu-Xun-Museums, den "Bai Ta Si".



Im Schrein am Eingang des Klosters sitzt ein fröhlicher Wohlstandsbuddha. - Es ist wirklich deprimierend, dass man auch nach drei Jahren noch mit einem nur aus acht Zeichen bestehenden Schild solche Probleme haben kann.



Interessante Bäume ... Es wundert mich immer wieder, wie in Beijing überhaupt Pflanzen wachsen können: Der Boden ist steinhart und knochentrocken und es regnet so gut wie nie.



Diese Glocke ist sowas wie ein Cheat im Computerspiel: Erlösung und Erleuchtung kann hier statt durch langwierigen, freudlos-asketischen Lebenswandel durch Läuten der Glocke erlangt werden (Benutze Baumstamm auf Glocke) - gehen Bahres, versteht sich. Ein mal läuten kostet allerdings nur einen Kuai, und man steigt in der Erlösungshierarchie gleich einen ganzen Level auf. Neun mal dagegenschlagen ist das Maximum, und man hat damit laut erklärendem Schild den Freifahrtscheins ins Nirvana so gut wie sicher und ist dafür nur zehn Kuai ärmer (klingt mehr als fair für mich). Was passiert, wenn man die Glocke ein zehntes mal bongt, war uns nicht klar. Nachdem wir ein Stück weiter gegangen waren, hörten wir jemanden die Glocke leuten - acht mal, was uns sehr vernünftig vorkam. Wenigstens ein Level sollte man sich als Motivation fürs Leben übrig lassen. Als Erleuchteter mit absoluter Klarheit über die Erde zu wandeln wäre wirklich zu langweilig.



Diese interessant aussehenden Gefäße sind für Weihrauchopfer gedacht. Vermutlich aus brandschutztechnischen Gründen weist ein großes Schild daneben allerdings darauf hin, dass das Abbrennen von Räucherstäbchen verboten sei, was die Atmosphäre natürlich ziemlich schmälert. Trotzdem kaufen die Leute ihre Stäbchen und werfen sie unangezündet in den Behälter. Auf diese Weise könnte man sie eigentlich immer wieder verkaufen, ähem ...





Weihrauchstäbchen werden auch in die entsprechenden Halter vor den in verschiedenen Hallen platzierten Buddhafiguren gesteckt. Vor diesen Statuen liegen Kissen auf dem Boden, auf die sich die Leute niederknien können, wenn sie zu den entsprechenden Heiligen beten. Ich kenne die Figuren nicht alle, aber der rechte der dreien ist offenbar eine Art Medizinbodhisattva, den man vielleicht in Krankheitsfällen anrufen kann. Obwohl ich eigentlich kaum damit gerechnet habe, kam während unseres Besuchs einige Leute, für die diese Religion offenbar kein Relikt vergangener Zeiten war.



An den Wänden sind noch weitere, von der Bedeutung offenbar eher nachgeordnete Heiligenfiguren aufgestellt. Die Glaswand bildet mit zwei Seitenwänden und der steinernen Rückwand jeweils einen Behälter um die Figuren. Was man vielleicht im Foto nicht gut erkennen kann: Diese Behälter sind etwa zu einem Drittel gefüllt mit Geld. Das asiatische Verhältnis der Gläubigen zu den Objekten ihrer Verehrung ist weit pragmatischer als das in den monotheistischen Religionen der Fall wäre: Will man die Heiligen um etwas bitten, muss man dafür blechen. Selbstverständlich spielen auch im Christentum und allen anderen Religionen finanzielle Aspekte eine entscheidende Rolle, auch wenn man sich dort alle Mühe gibt, diesen Aspekt zu verschleiern. Aber die Direktheit, in der sich hier der kommerzielle Charakter der Religion offenbahrt, ist für westliche Augen schon recht gewöhnungsbedürftig.



Der weiße Stupa sieht spannend aus, aber man kommt nicht hinein. Nepp! Den Spekulationen ist damit Raum gegeben ... In einem kleineren Modell in einem Raum daneben liegen so etwas wie Päckchen, scheint so, als sei der Turm randvoll mit Geschenken! Im Übrigen ist so etwas für China sehr typisch und auch bei anderen Sehenswürdigkeiten die Praxis: In das eigentliche Gebäude kommt man nicht hinein, aber in einem kleinen Austellungsraum daneben findet man Modelle und Fotos, auf denen oft auch Mao und seine Tongzhimen dargestellt sind und beschrieben wird, wie sie sich schon damals für den erhalt von diesem und jenem eingesetzt haben.



Später wurden wir noch Zeuge einer Zeremonie, die wir zwar nicht ganz verstanden, die aber trotzdem interessant genug war, stehen zu bleiben und sie zu beobachten. Eine Gruppe von Menschen folgte einem Mönch auf die Rückseite der Halle, wo sie Weihrauchstäbchen anzündeten und an einem kleinen Schrein opferten (siehe auch das nächste Bild). Sie umrundeten den Stupa und bildeten anschließend einen Kreis vor der einen Halle, wo der Mönch in ihre Mitte trat, auf tibetisch zu chanten begann und dabei jedem die Hand auf den Kopf legte. Die Zeremonie wurde mit allen wiederholt, anschließend gab der Mönch den Leuten noch jeweils eine CD und sie ihm dafür Geld. Wir wissen nicht genau, was das alles zu bedeuten hatte: Kevin meinte, es wäre vielleicht der Gesang zum nochmaligen Anhören für zuhause, ich vermute eher, es waren selbstgebrannte Kopien von "Sieben Jahre Tibet". Nein, im Ernst - ich habe keine Ahnung, was das alles bedeutete, aber ich habe fest vor, die Sprache so gut zu lernen, um bald fragen zu können.



Eine interessante Sache am Opfer in diesem Schrein ist, dass das kleine Pfirsichbäumchen aus Plastik besteht. Interessant deswegen, weil es etwas über das Religionsverständnis aussagt: Das Entscheidende des Opfers ist offenbar die Intention, nicht die Authentizität des geopferten Gegenstandes. Im antiken römischen Kult gab es eine ähnliche Haltung, wenn aus Mangel an für das Opfer vorgeschriebenen echten weißen Stieren ein schwarzer einfach mal weiß angemalt wurde, ohne dass damit jemand ein Problem hatte. Der Gedanke, dass hier Plstikfrüchte und -blumen dargebracht werden, irritiert ein bisschen. Aber warum eigentlich?



2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sind die Fotos verrutscht?

Anonym hat gesagt…

Pardon - alles klar! man sollte den Beitrag bis zum letzten Satz lesen 8-]