Sonntag, Dezember 24, 2006

Shengdanjie kuaile!

Eigentlich wollte ich gestern hier noch einen Eintrag verfassen über geldgierige Angestellte, Paragraphenreiterei und die niederträchtige Kombination aus beidem, die hier das eine oder andere Mal den Berzeker in mir triggern. Letztendlich bin ich aus Gründen der Zeit und Arbeit nicht dazu gekommen. Wäre ich es, dann wäre der heutige Beitrag dazu ein absoluter Kontrast.

Deng Laoshi hatte mich für heute zu sich und seiner Familie nach Hause zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen, und in dieser Umgebung ist sich weiter zu ärgern absolut keine leichte Aufgabe. Irgendwie scheinen die Dengs die positiven Clichés über China zu verkörpern. Die Ruhe und Ausgeglichenheit, die von Deng und Zhu Laoshi ausgestrahlt wird, hat schon beinahe etwas Meditatives, dabei ist die Atmosphäre alles andere feierlich, sondern vielmehr ziemlich fröhlich. Zudem sind sie manchmal so spendabel, dass es einen schon in Verlegenheit bringen kann. Tatsächlich brauche ich bei all dem Obst und den Schokosnacks, die ich als Weihnachtsgeschenk und Proviant für unterwegs mitbekommen habe, wohl die nächste Woche nicht mehr einkaufen zu gehen (au, mein Rücken). In diesem Fall aber konnte ich mich ein bisschen revanchieren, weil ich für Meimei, Deng Laoshis Enkelin, einen superweichen Berliner Bären aus Stoff und ein großes chinesisches Buch über alle möglichen Tiere mitgebracht habe, das neben vielen Bilder auch kurze Texte enthält - vielleicht das richtige, wenn sie in die Schule kommt und anfängt, lesen zu lernen.

Abgesehen vom Spaß des Zusammenseins war das ganze auch eine gute Tingli-Übung, auch wenn es doch eher wenig war, was ich verstanden habe (aber das Lernen hier zahlt sich schon aus). Wir waren zusammen in einem Restaurant und haben einige für mich neue Sachen ausprobiert - ich wünschte nur, ich hätte mir die Namen merken können, verflixt! Es werden aber auch insgesamt mehr Wörter, die ich verstehe, und manchmal erfasse ich sogar den ganzen Sachverhalt ;-) Zum Beispiel wurde Meimei nach dem idealen Baimawang, den Prinz auf dem weißen Pferd also, gefragt und ob er z.B. wie Deng Laoshi sein könne. Aber der wäre zu alt. Whuiii! Aber ich hätte auch keine Chance, denn "Baimawang meiyou huzi"! Tja, aber ich mag meinen Bart grad so. Nichts zu machen also ...



Der anschließende Abend mit der Familie zu Hause gehörte dann Meimei, die ein richtiges Programm mit einigen kurzen Klavierstücken aufführte (und sie machte das wirklich ziemlich gut), später noch etwas sang, im Elfenschmetterlingskostüm zu "Für Elise" tanzte und schließlich etwas mit Karten vorzauberte und mit imaginärem Essen bewirtete.





Keine Chance für mich, die chinesischen Familienverhältnisse mit ihren hundertzwanzig unterschiedlichen Bezeichnungen für jede Möglichkeit (jetzt schon) auf die Reihe zu bekommen. Dengs Sohn war noch in Japan, und auch Duan Laoshi hatte leider keine Zeit. Dafür lernte ich einige andere Mitglieder der Familie kennen, deren Namen ich hoffentlich beim nächsten Mal noch weiß (aber nicht darauf spekulieren würde).



Deng sagte auch, dass er sich freuen würde, die anderen Studenten, die hier sind, mal zu treffen. Sobald Kevin und Carla ihre Prüfungen hinter sich haben, sollten wir das auf jeden Fall ins Auge fassen. Zwischen all dem Stress und manchem Ärger war das mal ein richtig toller Tag! Frohes Fest und Shengdanjie kuaile Euch allen da drüben.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Angesichts dieser Bilder wird mir klar, wie sehr ich manche Menschen ich China vermisse..

(siehe dazu mein Kommentar zu "...und die Straße von Beijing)

;)