Donnerstag, März 01, 2007

Gong Wang Fu

Kevin und ich entschlossen uns kurzfristig, die ehemalige Residenz des Prinzen Gong - Gongwangfu - zu besuchen, und wir hätten Carla auch mitgenommen, wenn der nach fünf Wochen Reisen nicht mal nach etwas verschnaufen zumute gewesen wäre. Also machten wir uns alleine auf den Weg. Da die U-Bahn heute mal nicht an der Station, an der wir uns treffen wollten, hielt, kamen wir uns zu Fuß von unterschiedlichen Richtungen entgegen. Während dieses Marsches fing es dann an, zu regnen, das dritte oder vierte Mal erst, seit ich hier bin. Aber da wir so supercool sind, machte uns das bisschen Regen nichts aus, und als wir die Residenz schließlich erreichten, hatte es auch schon fast wieder aufgehört.



Der Hauptsitz selbst ist - wie so merwürdig viele Sehenswürdigkeiten - zugemauert; was zum Besichtigen übrig geblieben ist, ist die Gartenanlage. Die Regeln der chinesischen Gartenarchitektur, den Park möglichst verwinkelt anzulegen, dass er sich von dem Besucher nicht gleich zu Anfang ganz überschauen lässt, sondern nach und nach beim Durchwandern entdeckt werden muss, wurde hier wirklich sehr gut gehandhabt, und wenn man sich für Gärten begeistert, ist dieser sicher eine Sehenswürdigkeit.



Einer Überlieferung zufolge leben in jedem Garten wohl vier Geister, der Fuchs, das Stachelschwein, das Wiesel und die Schlange. Dieser kleine, etwas erhöht gelegene Schrein diente ihrer Verehrung.










Dass die Steinklippen und Felsen künstlich zu Bergen zusammengesetzt sind, tut der Faszination keinen Abbruch. Durch die hohen Wände kann man um eine Ecke gehen und hat plötzlich eine ganz andere Aussicht vor Augen.


In dieser kleinen Grotte befindet sich eine Kalligraphie des Kaisers Kangxi. Sie stellt das Schriftzeichen "Fu" (Glück) dar, und wenn man über die darüber angebrachte Glasscheibe rubbelt, kann man ein wenig dieses Glücks auf sich selbst übertragen. Zumindest etwa dasa sage die Reiseleiterin einer Chinesischen Gruppe vor uns, und die chinesischen Touristen fingen daraufhin an, alle der Reihe nach über das Bild zu streicheln. Kevin und ich hatten aber noch unser Glück von den verschiedenen Gimmicks im daoistischen Tempel nicht ganz abgenutzt und wussten auch nicht, ob sich das Daoistenglück mit dem Kaiserglück verträgt, gegenseitig aufhebt oder was. Deshalb wollten wir besser nichts riskieren und ließen es. Es ist aber enorm, wie sehr die Merchandisingindustrie auf diese eine Kalligraphie abgestimmt ist: Im ganzen Park gibt es Souveniershops, deren naehzu einziger Artikel (neben einem überteuerten Buch über Heshen) diese Kalligraphie ist - in Gold, in Glas, auf einem Teller, als Anhänger, als Bild ... Und als wir nach dem Parkbesuch noch in einem Restaurant essen waren, das etwa 20 Minuten Fußweg weiter weg war, bildete eins der zentralen Dekoelemente immer noch diese Kalligraphie.





In den verschiedenen chinesischen Parks werden immer versucht, die verschiedenen Elemente miteinander in Abgleich zu bringen, wobei durchaus ein Element vorherrschen kann, wie im falle dieses Parks das Wasser. Nach Ansicht der alten Chinesen (welcher?) ist wo immer das Element Wasser vorherrscht, der Drachenkönig zuhause. Aus diesem Grund gibt es in der Nähe des Eingangs einen dem Long Wang gewidmeten Altar.








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Im Kochstudio steht heute auf dem Speiseplan: Salat. Irgendwie hatte ich mal Bock darauf, zum einen, weil ich für das ölige und generell aus viel zu fleischhaltiger Kost bestehende Essen hier mal eine Alternative brauchte, zum anderen, weil das Essen machen hier eine nette Gelegenheit ist, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Hab mir also die nötigen Utensilien gekauft, verschiedene Gemüsesorten, die ich kannte (Gurken - die sind hier jedoch klein und stachelig - Radieschen, Kartoffeln, Paprika usw.), dazu noch ein Dressing - voilá! Werde ich in Zukunft sicher öfter machen, dann aber auch mal das für mich noch weitestgehend Unbekannte probieren (solange es keine Saugnäpfe und Tentakel hat).

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