Während der Zeit in Berlin habe ich mich - wenn es die Zeit erlaubte - gelegentlich mit Xiaoming getroffen, um ein wenig gegenseitig die Sprache zu lernen (wobei meine Fortschritte im Gegensatz zu ihren nicht wirklich messbar waren). Eine gute Gelegenheit, sich zu treffen, bot sich jetzt, da sie mit ihrem Freund zum Frühlingsfest ihre Eltern besuchte. Da Xiaoming ursprünglich auch aus Beijing kommt und sogar an der selben Uni studiert hat wie ich jetzt, war ein Treffen hier auch ein bisschen so etwas wie ein paar alte Erinnerungen aufzufrischen, auch wenn sie vielleicht nicht unbedingt nur wehmütig sind. (Als sie sich z.B. vor ihrem Auslandsstudium exmatrikulieren lies, wurde sie zur Schulleitung gerufen, die ihr vorrechnete, wieviel die Uni an Geld verlieren würde, wenn sie nicht über die volle Distanz bliebe. - Darf man das erzählen? Ich denke schon. Außerdem ist es das Denken vieler so eine charakteristisch verdeutlichende Anekdote.)

Nach einem kurzen Spaziergang über den Uni-Campus fuhren wir drei, Xiaoming, David und ich, noch zu ihren Eltern, die uns zum Essen eingeladen hatten. Es ist ein gutes Stück Weg, aber auch interessant, denn ich war noch nie auf der anderen Seite des Sommerpalasts und habe die Berge jetzt also auch mal von dort aus gesehen.

Interessant auch, weil ich jetzt nach Deng Laoshis Wohnung mal eine zweite chinesische Familie zuhause kennen gelernt habe. Einiges ist schon anders, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt die, dass man es nicht ansatzweise schafft, als Gast so etwas wie ein Gefühl von leichtem Hunger zu entwickeln. Nach einem opulenten Feuertopf-Mittagessen wurden uns Süßigkeiten und Kuchen angeboten, um die Zeit bis zum Abendbrot zu überbrücken. (Wir haben auch einen kleinen Spaziergang im Viertel gemacht um das Schlimmste zu verhindern.) Als die Zeit des Abschieds kam, bot mir Xiaomings Mutter schließlich noch an, jederzeit wiederzukommen, wenn ich mal gut essen wolle. - Ich glaube, Milefo heißt der kleine rundliche Wohlstandsbuddha, dessen Figurideal ich mich hier immer mehr annähere. Ich glaube, ich sollte mal ernsthaft darüber nachdenken, für eine Weile eine fleischlose Diät einzulegen, sonst fangen die Leute auf der Straße bald an, mir den Bauch zu streicheln, weil das auch Glück bringe. Soweit lasse ich es besser nicht kommen!

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