Montag, Februar 26, 2007

Im Tempel der weißen Wolke - Baiyunguan

Der Tempel der weißen Wolke ("Baiyunguan", 白云观) ist der einzige größere daoistische Tempel in der Stadt (die anderen sind alle buddhistisch). Deng und Zhu Laoshi hatten schon vor einer Weile angemerkt, dass auch sie an einem Besuch Interesse hätten, und heute haben wir dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. Das Datum hatten sie vorgeschlagen, da heute der Geburtstag des Jadekaisers ist, der höchsten dort verehrten daoistischen Gottheit, es daher mehr zu schauen gab, die Anzahl der Besucher allerdings auch entsprechend hoch war. Um neun Uhr früh trafen wir uns an der Fremdsprachen-Uni und machten uns anschließend zu siebent - Deng & Zhu Laoshi, Deng Wei, Meimei, Kevin, Yuki & ich - auf den Weg.



Ein Brauch, der mich zuerst ein wenig an das islamische Steinigen des Teufels in Gestalt der Steinsäule Mekka erinnerte, letztendlich aber eine ganz andere Bedeutung hat, gab es gleich nach dem Eingang zu bestaunen: In einer Grube war unter einem Torbogen ein Gong angebracht, in dessen Mitte sich nochmal eine Glocke befand.



An Ständen kann man spezielles "Geld" kaufen - kupferne Metallscheiben, die anschließend auf den Gong geworfen werden können, was natürlich glückbringend wirkt. Nicht ganz einfach; noch schwerer ist es, die Glocke zu treffen. Wir haben es alle mal versucht, aber unser Glück hält sich in Grenzen - müssen wir also doch weiter selbst lernen!













Ein ähnliches Gimmick gibt es ein bisschen weiter, wo man probieren kann, Geld in das Loch in der Rinde eines hässlichen Baums zu werfen. Oder durch Verbrennen von symbolischem Geld, Weihrauchstäben etc. Überhaupt ist der Gedanke an Glück sehr mit dem geben von Geld verbunden, was aus Sicht westlicher Religionen natürlich sehr ungewohnt wirkt.





Eine Tafel erklärt den nicht immer ganz gebetsfesten Besuchern, wie man korrekt um etwas zu bitten hat. Überhaupt kann ich mir nicht vorstellen, dass wirklich alle Besucher von dem überzeugt sind, was sie dort tun. Es scheint mehr so eine Ansicht zu sein wie: "Ich glaube eigentlich nicht dran, aber es schadet sicher auch nichts."









Es gibt, über den ganzen Tempel verteilt, verschiedene Gefäße, Statuen, Reliefs etc. die zu berühren in bestimmter weise glückbringend wirken soll. Ein Bronze-Pferd z.B. an bestimmten Stellen zu streicheln soll einen selbst, wenn man an dieser Stelle Probleme hat, innerhalb eines Tages kurieren. In einer bestimmten Halle betet man zu den Prüfungsheiligen wegen der Schwierigkeiten beim Lernen. Am Eingang des Tempelgeländes befinden sich Reliefs mit kleinen Tieren, deren Homophone auf die Bedeutung für Glück, langes Leben etc. verweisen. - Hier sieht man z.B. ein Bronzegefäß, auf das man mit geschlossenen Augen einige Schritte zuschreiten muss. Hat man schließlich den Drachenkopf in den Händen, ist das auch glückbringend. Im Gegensatz zu den Leuten, die vorbei laufen, tröstet das die Leute, die sich das Teil wegen zu schnellen Laufens in den Schritt gerammt haben, vielleicht darüber hinweg.







Ein Kontrast, den ich festhalten musste: Über den würdevollen alten Mönchsquartieren prangt eine superfette Sattelitenschüssel. Ist es Kabelfernsehen, Internet, Telefon? Welches Klischee wird durch solche Einbrüche der Moderne am ehesten entzaubert?



Natürlich (muss ich sagen) wurden wir anschließend wieder alle zum Essen eingeladen. Da sie das ganze meistens hinter dem Rücken bezahlen, bleibt einem kaum die Chance, wenigstens der Form halber die eigene Beteiligung zu fordern. Trotz allem ein netter Tag. Ein wenig geschafft, aber das darf man auch sein.



2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sie haben aber viel geschrieben, Mr. Sparkle...

Andreas hat gesagt…

Den check ich jetzt nicht ...