Nachdem der letzte Eintrag jetzt aus verschiedenen Gründen über einen Monat zurückliegt, wird es Zeit, sich mal wieder zu melden.
Für die längere Internetabstinenz gibt es mehrere Gründe: Zum einen haben die gekappten Leitungen vor der Küste Taiwans und die darauf folgende Limitierung des Internetverkehrs durch die Regierung jegliches Arbeiten im Netz nahezu unmöglich gemacht. Eine Seitenaufbaudauer von - wortwörtlich - Stunden (wenn überhaupt), eine Verbindungsgeschwindigkeit, die einen sich voller Wehmut in die Zeiten eines 28k-Modems zurück sehnen lässt, Emailprogramme, die mit Mails und Anghängen größer als 5 KB nicht zurecht kommen ... kurz: ein großer Haufen Affenpupu! Montag verkündete die Regierung dann stolz, die Reparaturarbeiten seien beendet, die Limitierungen aufgehoben und der normale Betrieb könne wieder aufgenommen werden. Dass bedeutet: Ab sofort wird der Internetverkehr wieder nur noch durch die regulären Zensurmechanismen behindert, nicht mehr durch die Geschwindigkeit.
Zum anderen standen die Prüfungen vor der Tür, für die es noch einmal besonders zu lernen galt, und tatsächlich sind die Ergebnisse ein wenig besser als die der Semesterzwischenprüfung, was zeigt, dass es schon kleine Fortschritte gibt. Nicht, dass es mir so, wie es gerade läuft, genügen würde. Aber zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, wenn ich es mit dem Stand vom Anfang vergleiche.
Was ist sonst so in der Zwischenzeit passiert?
Silvester habe ich mit Kevin, Carla, Sandra und noch ein paar anderen verbracht, wobei der Abend mit jeder Veränderung der Lokalität (wovon es einige gab in dieser Nacht) merkwürdiger wurde. Den Beginn des Abends bildete ein Besuch in einem Pizzarestaurant in der Nähe des Wudaokou. Normalerweise sind die Pizzas (Oder Pizzen? Ich krieg das nicht rein!) in China ziemlich fad, die koreanischen noch schlimmer, aber hier hat es uns so gut geschmeckt, dass wir noch eine zweite Runde nachlegten.

Wir wollten uns später mit Sandra, ihrer Freundin und ihren Freunden in einer Bar in der Nähe meiner Uni treffen, doch da es noch zu früh war, fuhren wir zuerst noch in Richtung Osten in die Nähe des Houhai in eine Reggeae-Bar, deren Besitzer irgendwie ein Bekannter von Carla ist. Dort gab es an diesem Abend Live-Musik, guten depressiven Suizidal-Rock in einer Lautstärke, wie man sie zum Ertauben einfach braucht. Nach einer guten Stunde machten wir uns auf zurück in Richtung meiner Uni, wo wir uns mit den anderen dann schließlich in der Bar trafen, in auch der sehr viele andere, wesentlich jüngere Studenten feierten. Mau. Die Preise war ohnehin unrealistisch überzogen, für Männer noch höher, so dass Kevin und ich mindestens 36 Liter Cola hätten trinken müssen, damit es sich rentiert (wahlweise auch ein paar der depressiven Ziergoldfische verspeisen). Da wir mindestens ein Jahrzehnt älter als der Schnitt waren, hielten wir es auch da nicht lange aus. Sandra und ihre Freundin wollten tanzen gehen, Carla wollte auch noch irgendwas machen, und irgendwie rangen wir uns dann dazu durch, in einen Klub zu fahren.

Wer in kürzester Zeit Körperkontakt mit möglichst vielen fremden Menschen haben möchte, findet so ein Gedränge sicher prickelnd. Ich habe nur kurz versucht, mal ein paar Meter weit hinein zu gehen. Nach altem europäischem Recht hätte ich anschließend mindest 15 mal heiraten müssen, zu zwei Dritteln Männer. Während sich Sandra und ihre Freundin ins Getümmel stürzten (und danach auch nicht mehr gesehen wurden), blieben wir anderen lieber draußen, wo Kevin und ich gebratene Auberginen bei einem damit katastrophal überforderten Straßenkoch bestellten und den Besoffenen/Bekifften Klubbesuchern beim Ersticken an ihrem eigenen Erbrochenen zukuckten. - Wenn ich manchmal Zweifel habe, ob ich nicht doch was verpasse, wenn ich in der Regel auf solche Sachen verzichte, ist so ein Event bestens dazu geeignet, mir zu versichern, dass diese Sorge unbegründet ist. Trotzdem war es nett, den Abend mit Freunden verbracht zu haben.
Die anschließende Zeit war hauptsächlich vom Prüfungslernen und dem regulären Stoff bestimmt. Nennt mich Streber, aber ich möchte hier wirklich was lernen. Nur leider fliegt es mir nicht so zu wie anderen, deshalb ist das Lernen sehr zeitaufwendig (aber es macht mir auch Spaß). Die Ergebnisse der Prüfung waren diesmal deshalb vielleicht auch etwas besser.
Kurz vor dem Urlaub traf ich mich noch mit Deng und Zhu Laoshi, um mir von ihnen ein paar Tips über die sehenswertesten Orte in Beijing zu holen. Natürlich hätte ich mir das selbst raus suchen können, aber ich wollte mich auch mal wieder treffen. Wir trafen uns in einem modernen Teehaus (traditionelle scheint es in Beijing keine zu geben, aber ich halte die Augen offen), wo die beiden mich - schon wieder! - einluden (es war schon bezahlt, bevor ich kam). Wir verabredeten auch, dass wenn wir uns z.B. das daoistische Kloster Baiyunguan anschauen würden, sie Interesse daran hätten, mitzukommen. Dazu kam es dann leider doch nicht, aber vielleicht holen wir das auch zusammen mit Kevin nach.
Über den anschließenden Urlaub mit Nicole werdet Ihr zuhause sicher bald aus erster Hand etwas hören. Unser Hotel in der Shuangqinglu war wirklich nicht schlecht, wenn man nicht allzu große Zimmer braucht (worauf man, wenn man viel unterwegs ist, eigentlich ganz gut verzichten kann), wenngleich es auch ziemlich ab vom Schuss liegt (aber dafür auch relativ preisgünstig ist). Die Gegend ist allerdings "gewöhnungsbedürftig" und nicht unbedingt das, was Touristen zu empfehlen wäre, für Sinologen mit ein wenig Hunger nach Erfahrung abseits der für Ausländer gedachten Wege allerdings empfehlenswert - ein paar Schritte abseits der Hauptstraße in die schmalen Gassen zwischen zerfallende Behausungen und merkwürdige "Läden" können manchen die Augen öffnen und lassen einen die euphorischen (Selbst-)Darstellungen, wie sie über die offiziellen Kanäle und häufig auch die deutschen Medien immer wieder popularisiert werden, aus einem anderen Blick sehen.
Was wir an Sehenswürdigkeiten in dieser Zeit sahen, war mir zur Hälfte schon bekannt und ich habe auch früher hier schon Bilder gepostet. Für unsere Tour zu Großen Mauer am ersten Tag wählten wir diesmal nicht Badaling, sondern Mutianyu, einen weiter abgelegenen und nicht so gut besuchten Abschnitt der Mauer. An diesem Tag allerdings war es wirklich äußerst ruhig. Kaum ein Mensch war da, man konnte auf der Mauer tatsächlich einzelne Vögel in weiter Ferne hören - für deutsche Ohren klingt das vielleicht nach nichts besonderem, aber wenn man eine Weile hier in Beijing gelebt hat, sieht man die Dinge anders.

Was mich als Dolmetscher/Fremdenführer hier beginnend noch am meisten gestresst hat, waren die dauernden Verhandlungen um den Preis irgendwelcher Sachen, beginnend mit den Transportkosten bis hin zu den Klimbim-Artikeln für Touristen. Auf der Hut sein muss man immer, denn hier versucht einen beinahe jeder radikal abzuzocken, und dass Ausländer nicht den Überblick wie die Einheimischen haben wird hier oft gnadenlos ausgenutzt. Im Laufe der Tage wurden wir darin aber immer besser, und am Schluss machte das Um-den-Preis-Feilschen Nicole selbst wohl ziemlichen Spaß, aber es ist ist immer auch ein Glücksspiel.
An den nächsten Tagen besuchten wir den Beijinger Zoo und das Auquarium (auch hier war so gut wie niemand), den Yiheyuan (neuen Sommerpalast), wo ich endlich mal die Gelegenheit hatte, auch auf den Berg zu steigen (der Blick dahinter ist allerdings ernüchternd, denn dann erkennt man, dass man die ganze Zeit nur in einer kleinen grünen, künstlichen Oase mitten in der großen schmutzigen Stadt verweilte). Der gesamte See war zum Großteil ausgetrocknet und zugefroren - interessant, wenn man den Garten im Sommer kennen gelernt hat.


Zu den weiteren besuchten Sehenswürdigkeiten zählten der Beihai-Park und der Yonghegong Lama-Tempel. Leider machte uns eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung, und da Nicole auch vorübergehend ihren Geschmackssinn verlor, hätte der Einladung zum Essen von Deng Laoshi zu folgen auch keinen Sinn gemacht. Vielleicht holen wir das aber eines Tages nach.



Wieder im Studentenheim gibt es jetzt noch einiges zu tun: Zum einen muss ich noch einiges für den DAAD schreiben, zum anderen habe ich mir fest vorgenommen, diese Ferien nicht zu verbummeln, sondern mal wirklich was zu tun (also so wie immer aber wirklich wirklich dieses Mal). Der Ausflug nach Harbin fällt aus, da Kevin bereits während unseres Urlaubs fuhr, da es keine verlässlichen Angaben über die Dauer des Eislampenfestes zu geben scheint und er es auch nicht verpassen wollte. Aber vielleicht unternehmen wir noch etwas anderes. Fürs erste habe ich allerdings noch einiges dringenderes zu erledigen. Eigentlich ist die Atmosphäre dafür hier gerade sehr gut: Die meisten Studenten scheinen für das Frühlingsfest nach Hause gefahren zu sein oder reisen umher, und das Haus wäre eigentlich ruhig, gäbe es da nicht ein paar kiffende, dauerbesoffene russische Studenten auf meinem Flur, die von 16 Uhr (also wenn sie aufstehen) bis fünf Uhr früh Musik in einer Lautstärke hören, die die Tasse auf meinem Tisch klirren lässt (und die Tasse ist aus Metall), auf dem Flur um drei Uhr nachts Fussball spielen, oder einfach nur brüllen oder stundenlang an eine Tür hämmern, weil sie ihre Karte vergessen haben, der drinnen aber so zu ist, dass er es einfach nicht mehr peilt. Ich hingegen schon. Was dazu geführt hat, dass ich die Nächte nach dem Urlaub bisher nicht wirklich geschlafen habe, sondern gelesen oder ferngesehen. Und so geht das mit dem Bummeln wieder los ... :-(
Oh, und auf dem Weg zur Weltherrschaft hat Google nun auch Blogger gekauft. Für eine Menge überflüssigen Schnickschnacks und ein "viel besseres und einfacheres Handling" (solange man nicht selbst kreativ werden möchte, sondern vorgegebenen Mustern folgt - ansonsten lernt man besser zwei neue Programmiersprachen) muss man eigentlich nichts machen außer alle Daten freigeben, mit Minimum-Sicherheitsstufe surfen und sich verpflichten, eine Webcam für Googel zu installieren, die auch nachts läuft. Dafür werde ich zwar jedes Mal rausgekickt, wenn ich mehr als zwei Bilder hochlade, aber nothing's perfect, was? - Im ernst: Überlegt euch gut, ob ihr euer Blog updaten wollt. Es ist nicht alles besser.
Für die längere Internetabstinenz gibt es mehrere Gründe: Zum einen haben die gekappten Leitungen vor der Küste Taiwans und die darauf folgende Limitierung des Internetverkehrs durch die Regierung jegliches Arbeiten im Netz nahezu unmöglich gemacht. Eine Seitenaufbaudauer von - wortwörtlich - Stunden (wenn überhaupt), eine Verbindungsgeschwindigkeit, die einen sich voller Wehmut in die Zeiten eines 28k-Modems zurück sehnen lässt, Emailprogramme, die mit Mails und Anghängen größer als 5 KB nicht zurecht kommen ... kurz: ein großer Haufen Affenpupu! Montag verkündete die Regierung dann stolz, die Reparaturarbeiten seien beendet, die Limitierungen aufgehoben und der normale Betrieb könne wieder aufgenommen werden. Dass bedeutet: Ab sofort wird der Internetverkehr wieder nur noch durch die regulären Zensurmechanismen behindert, nicht mehr durch die Geschwindigkeit.
Zum anderen standen die Prüfungen vor der Tür, für die es noch einmal besonders zu lernen galt, und tatsächlich sind die Ergebnisse ein wenig besser als die der Semesterzwischenprüfung, was zeigt, dass es schon kleine Fortschritte gibt. Nicht, dass es mir so, wie es gerade läuft, genügen würde. Aber zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, wenn ich es mit dem Stand vom Anfang vergleiche.
Was ist sonst so in der Zwischenzeit passiert?
Silvester habe ich mit Kevin, Carla, Sandra und noch ein paar anderen verbracht, wobei der Abend mit jeder Veränderung der Lokalität (wovon es einige gab in dieser Nacht) merkwürdiger wurde. Den Beginn des Abends bildete ein Besuch in einem Pizzarestaurant in der Nähe des Wudaokou. Normalerweise sind die Pizzas (Oder Pizzen? Ich krieg das nicht rein!) in China ziemlich fad, die koreanischen noch schlimmer, aber hier hat es uns so gut geschmeckt, dass wir noch eine zweite Runde nachlegten.

Wir wollten uns später mit Sandra, ihrer Freundin und ihren Freunden in einer Bar in der Nähe meiner Uni treffen, doch da es noch zu früh war, fuhren wir zuerst noch in Richtung Osten in die Nähe des Houhai in eine Reggeae-Bar, deren Besitzer irgendwie ein Bekannter von Carla ist. Dort gab es an diesem Abend Live-Musik, guten depressiven Suizidal-Rock in einer Lautstärke, wie man sie zum Ertauben einfach braucht. Nach einer guten Stunde machten wir uns auf zurück in Richtung meiner Uni, wo wir uns mit den anderen dann schließlich in der Bar trafen, in auch der sehr viele andere, wesentlich jüngere Studenten feierten. Mau. Die Preise war ohnehin unrealistisch überzogen, für Männer noch höher, so dass Kevin und ich mindestens 36 Liter Cola hätten trinken müssen, damit es sich rentiert (wahlweise auch ein paar der depressiven Ziergoldfische verspeisen). Da wir mindestens ein Jahrzehnt älter als der Schnitt waren, hielten wir es auch da nicht lange aus. Sandra und ihre Freundin wollten tanzen gehen, Carla wollte auch noch irgendwas machen, und irgendwie rangen wir uns dann dazu durch, in einen Klub zu fahren.

Wer in kürzester Zeit Körperkontakt mit möglichst vielen fremden Menschen haben möchte, findet so ein Gedränge sicher prickelnd. Ich habe nur kurz versucht, mal ein paar Meter weit hinein zu gehen. Nach altem europäischem Recht hätte ich anschließend mindest 15 mal heiraten müssen, zu zwei Dritteln Männer. Während sich Sandra und ihre Freundin ins Getümmel stürzten (und danach auch nicht mehr gesehen wurden), blieben wir anderen lieber draußen, wo Kevin und ich gebratene Auberginen bei einem damit katastrophal überforderten Straßenkoch bestellten und den Besoffenen/Bekifften Klubbesuchern beim Ersticken an ihrem eigenen Erbrochenen zukuckten. - Wenn ich manchmal Zweifel habe, ob ich nicht doch was verpasse, wenn ich in der Regel auf solche Sachen verzichte, ist so ein Event bestens dazu geeignet, mir zu versichern, dass diese Sorge unbegründet ist. Trotzdem war es nett, den Abend mit Freunden verbracht zu haben.
Die anschließende Zeit war hauptsächlich vom Prüfungslernen und dem regulären Stoff bestimmt. Nennt mich Streber, aber ich möchte hier wirklich was lernen. Nur leider fliegt es mir nicht so zu wie anderen, deshalb ist das Lernen sehr zeitaufwendig (aber es macht mir auch Spaß). Die Ergebnisse der Prüfung waren diesmal deshalb vielleicht auch etwas besser.
Kurz vor dem Urlaub traf ich mich noch mit Deng und Zhu Laoshi, um mir von ihnen ein paar Tips über die sehenswertesten Orte in Beijing zu holen. Natürlich hätte ich mir das selbst raus suchen können, aber ich wollte mich auch mal wieder treffen. Wir trafen uns in einem modernen Teehaus (traditionelle scheint es in Beijing keine zu geben, aber ich halte die Augen offen), wo die beiden mich - schon wieder! - einluden (es war schon bezahlt, bevor ich kam). Wir verabredeten auch, dass wenn wir uns z.B. das daoistische Kloster Baiyunguan anschauen würden, sie Interesse daran hätten, mitzukommen. Dazu kam es dann leider doch nicht, aber vielleicht holen wir das auch zusammen mit Kevin nach.
Über den anschließenden Urlaub mit Nicole werdet Ihr zuhause sicher bald aus erster Hand etwas hören. Unser Hotel in der Shuangqinglu war wirklich nicht schlecht, wenn man nicht allzu große Zimmer braucht (worauf man, wenn man viel unterwegs ist, eigentlich ganz gut verzichten kann), wenngleich es auch ziemlich ab vom Schuss liegt (aber dafür auch relativ preisgünstig ist). Die Gegend ist allerdings "gewöhnungsbedürftig" und nicht unbedingt das, was Touristen zu empfehlen wäre, für Sinologen mit ein wenig Hunger nach Erfahrung abseits der für Ausländer gedachten Wege allerdings empfehlenswert - ein paar Schritte abseits der Hauptstraße in die schmalen Gassen zwischen zerfallende Behausungen und merkwürdige "Läden" können manchen die Augen öffnen und lassen einen die euphorischen (Selbst-)Darstellungen, wie sie über die offiziellen Kanäle und häufig auch die deutschen Medien immer wieder popularisiert werden, aus einem anderen Blick sehen.
Was wir an Sehenswürdigkeiten in dieser Zeit sahen, war mir zur Hälfte schon bekannt und ich habe auch früher hier schon Bilder gepostet. Für unsere Tour zu Großen Mauer am ersten Tag wählten wir diesmal nicht Badaling, sondern Mutianyu, einen weiter abgelegenen und nicht so gut besuchten Abschnitt der Mauer. An diesem Tag allerdings war es wirklich äußerst ruhig. Kaum ein Mensch war da, man konnte auf der Mauer tatsächlich einzelne Vögel in weiter Ferne hören - für deutsche Ohren klingt das vielleicht nach nichts besonderem, aber wenn man eine Weile hier in Beijing gelebt hat, sieht man die Dinge anders.

Was mich als Dolmetscher/Fremdenführer hier beginnend noch am meisten gestresst hat, waren die dauernden Verhandlungen um den Preis irgendwelcher Sachen, beginnend mit den Transportkosten bis hin zu den Klimbim-Artikeln für Touristen. Auf der Hut sein muss man immer, denn hier versucht einen beinahe jeder radikal abzuzocken, und dass Ausländer nicht den Überblick wie die Einheimischen haben wird hier oft gnadenlos ausgenutzt. Im Laufe der Tage wurden wir darin aber immer besser, und am Schluss machte das Um-den-Preis-Feilschen Nicole selbst wohl ziemlichen Spaß, aber es ist ist immer auch ein Glücksspiel.
An den nächsten Tagen besuchten wir den Beijinger Zoo und das Auquarium (auch hier war so gut wie niemand), den Yiheyuan (neuen Sommerpalast), wo ich endlich mal die Gelegenheit hatte, auch auf den Berg zu steigen (der Blick dahinter ist allerdings ernüchternd, denn dann erkennt man, dass man die ganze Zeit nur in einer kleinen grünen, künstlichen Oase mitten in der großen schmutzigen Stadt verweilte). Der gesamte See war zum Großteil ausgetrocknet und zugefroren - interessant, wenn man den Garten im Sommer kennen gelernt hat.


Zu den weiteren besuchten Sehenswürdigkeiten zählten der Beihai-Park und der Yonghegong Lama-Tempel. Leider machte uns eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung, und da Nicole auch vorübergehend ihren Geschmackssinn verlor, hätte der Einladung zum Essen von Deng Laoshi zu folgen auch keinen Sinn gemacht. Vielleicht holen wir das aber eines Tages nach.



Wieder im Studentenheim gibt es jetzt noch einiges zu tun: Zum einen muss ich noch einiges für den DAAD schreiben, zum anderen habe ich mir fest vorgenommen, diese Ferien nicht zu verbummeln, sondern mal wirklich was zu tun (also so wie immer aber wirklich wirklich dieses Mal). Der Ausflug nach Harbin fällt aus, da Kevin bereits während unseres Urlaubs fuhr, da es keine verlässlichen Angaben über die Dauer des Eislampenfestes zu geben scheint und er es auch nicht verpassen wollte. Aber vielleicht unternehmen wir noch etwas anderes. Fürs erste habe ich allerdings noch einiges dringenderes zu erledigen. Eigentlich ist die Atmosphäre dafür hier gerade sehr gut: Die meisten Studenten scheinen für das Frühlingsfest nach Hause gefahren zu sein oder reisen umher, und das Haus wäre eigentlich ruhig, gäbe es da nicht ein paar kiffende, dauerbesoffene russische Studenten auf meinem Flur, die von 16 Uhr (also wenn sie aufstehen) bis fünf Uhr früh Musik in einer Lautstärke hören, die die Tasse auf meinem Tisch klirren lässt (und die Tasse ist aus Metall), auf dem Flur um drei Uhr nachts Fussball spielen, oder einfach nur brüllen oder stundenlang an eine Tür hämmern, weil sie ihre Karte vergessen haben, der drinnen aber so zu ist, dass er es einfach nicht mehr peilt. Ich hingegen schon. Was dazu geführt hat, dass ich die Nächte nach dem Urlaub bisher nicht wirklich geschlafen habe, sondern gelesen oder ferngesehen. Und so geht das mit dem Bummeln wieder los ... :-(
Oh, und auf dem Weg zur Weltherrschaft hat Google nun auch Blogger gekauft. Für eine Menge überflüssigen Schnickschnacks und ein "viel besseres und einfacheres Handling" (solange man nicht selbst kreativ werden möchte, sondern vorgegebenen Mustern folgt - ansonsten lernt man besser zwei neue Programmiersprachen) muss man eigentlich nichts machen außer alle Daten freigeben, mit Minimum-Sicherheitsstufe surfen und sich verpflichten, eine Webcam für Googel zu installieren, die auch nachts läuft. Dafür werde ich zwar jedes Mal rausgekickt, wenn ich mehr als zwei Bilder hochlade, aber nothing's perfect, was? - Im ernst: Überlegt euch gut, ob ihr euer Blog updaten wollt. Es ist nicht alles besser.

1 Kommentar:
Hallo nach China!
Also, das Eisfestival in Harbin(ich gehe mal davon aus das ihr das meint) geht so lange wie es kalt ist, also die Skulpturen! Wir haben es leider 2003 knapp verpasst...aber!!!! es gibt ein Indoor Eisskulpturenfest das ganzjährig geöffnet ist! Hört sich unspektakulär an, ist es aber nicht nicht! Es hat uns sehr gut gefallen. Wenn ihr hingeht...kämpft darum eure Schuhe anbehalten zu können und nicht ihre angeblich wärmeren zu nehmen!!!
Grüße
Anne
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