Sonntag, September 17, 2006

Im Yuanmingyuan mit Lehrer Deng

Heute waren wir also gemeinsam mit Lehrer Deng und seiner Familie im Yuanmingyuan, dem alten Sommerpalast. Herr Deng war unser Sprachlehrer an der FU, und wegen seiner ruhigen und freundlichen Art haben ihn alle wohl nur in bester Erinnerung, aber irgendwie ist seine gesamte Familie so (was ich persönlich ziemlich beruhigend finde :-). Obwohl er mittlerweile pensioniert ist, wohnt er noch an seiner Universität (Culture & Language U.), was hier offenbar so gängig ist. Anne und Rudi sind mit ihm schon länger befreundet; mir war es etwas peinlich, mich zu allem einladen zu lassen, und ich werde mich vielleicht bei Gelegenheit dafür revanchieren können.

Der alte Sommerpalast Yuanmingyuan wurde von F. Giuseppe Castiglione (1688 - 1766), einem italienischen Missionar, und P. Michael Benoist (1715 - 1774) aus Frankreich entworfen und unter ihrer Aufsicht von chinesischen Künstlern konstruiert. Die Planung begann 1747, im 12. Jahr der Herrschaft Qianlongs (ha, im selben Jahr kam das hesei toktobuha manjusai wecere metere kooli bithe raus, da ist doch was hängen geblieben), und wenn ich Deng Laoshi richtig verstanden habe, war der Park ein Geschenk an die Mutter des Kaisers zu ihrem 60. Geburtstag. (Das dürfte ihn für die nachfolgenden Jahre allerdings ziemlich unter Druck gesetzt haben, sich eine Steigerung einfallen zu lassen.)



Chinesische Familienverhältnisse sind begrifflich ziemlich kompliziert, da es für alles und jeden eine eigene Bezeichnung gibt. (Sie haben versucht, es mir später beim Essen zu erkären, es ist kompliziert!) - Ohne die Bezeichnungen sind hier (v.l.): Lehrer Duan (Professor und Mann der Schwester von Lehrerin Zhu), Meimei (Herr Dengs Enkelin), Herr Deng, Frau Zhu (Herr Dengs Ehefrau), Rudi und Deng Wei (die Tochter von Deng und Zhu Laoshi).







Rudi, Anne, Meimei und Deng Laoshi an einem der wenigen grünen Flecken in Beijing.







Die Insel auf diesem zugewachsenen Teich ist so eine Art Ethno-Island. Eine größere Anzahl von Figuren aus Holz, die aus Afrika oder von amerikanischen Ureinwohnern stammen sollen (woran ich irgendwie meine Zweifel habe), soll hier wohl das freundschaftliche Verhältnis der Kommunistischen Partei zu den verschiedenen Völkern unterstreichen (es gibt da eine Hütte mit Ausstellung). Natürlich kostet auch die Insel zu betreten etwas (und die Dengs haben es bezahlt, oh je).





Duan Laoshi und Meimei trauen sich über eine Brücke, die unter uns kräftigeren Westlern schon ziemlich geächzt hat. - Macht trotzdem Spaß, drauf zu hüpfen.





Gierige Goldfische: Man kann sie mit Brotkrümeln und anderem füttern, und sie springen auch aufeinander und ein Stück aus dem Wasser heraus, um möglichst hoch zu kommen. Jaa, kommt nur her, ich goldigen Snacks ...



Im Nordwesten des Parks befindet sich ein Labyrinth ("Migong") mit einem kleinen Pavillion in der Mitte. Der Eindruck auf diesem Bild täuscht übrigens gerade, denn leer ist es hier eigentlich gar nicht (und deswegen auch nicht allzu schwer, durchzufinden - immer mit der Masse mit).

Master of the Gongmi



Der alte Sommerpalast wurde 1860 von den Engländern und Franzosen niedergebrannt (was man auf jedem Schild nachlesen kann), und die Ruinen kann man auch heute noch besichtigen. Es mutet schon irgendwie etwas europäisch-antik an (obwohl ich aus Griechenland und Italien nur die Bilder kenne).











Diese ungewöhnliche umgedrehte Pyramidenform ist, wenn wir Duan Laoshis Erklärung richtig verstanden haben, übrigens keine architektonische Raffinesse, sondern Resultat der Baumittelknappheit: Von unten hat man einfach immer ein paar Steine weg genommen. (So wie in letzter Zeit ja auch Teile der Großen Mauer von unwissenden Chinesen als Baumaterial fort getragen wurden - sehr zum Missfallen der Regierung übrigens.)

Anschließend waren wir noch im "Großer Hai Feuertopf Restaurant" direkt gegenüber des Jinma Hotels in der Xueyuanlu. Für 39 Kuai pro Person kann man sich hier an einem sehr großen Buffett selbst bedienen, bis man - chi bu liao - nicht mehr essen kann . Die Köstlichkeiten (und die Absonderlichkeiten genauso) kommen anschließend in eine der beiden Schüsseln des Feuertopfs in der Mitte und können da gekocht werden. (Die rote Seite ist extrem scharf.) Leider bin ich zu spät auf die Idee gekommen, zu fotografieren, denn was hier auf den einzelnen Platten lag, war wirklich ... äh, fotografierenswert.







Das Bier musste mit auf Annes Wunsch mit aufs Bild. Hier also zwei chinesische Professoren beim Biertrinken. - So, welcher Firma können wir das jetzt verkaufen?

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Moment mal, Duan laoshi hat kein Bier getrunken. Don't drink and drive ist sein Motto und das ist auch gut so, obwohl unser Taxifahrer das heute anders sah! Danke das es hier endlich weitergeht!

Andreas hat gesagt…

Sehr vernünftig, aber - verflixt: Warum musste er dann überhaupt minutenlang mit dem Ding posieren? Hatte ja noch mehr Fotos davon ...